Ratchet & Clank: A Crack In Time

Mit „Ratchet und Clank: A Crack In Time“ befinden sich die zwei quirligsten Superhelden dieser Zeit erneut im glorreichen Einsatz gegen böse Terror-Roboter, fragwürdig operierende Zonis und natürlich den durchgeknallten Dr. Nefarius, dessen letzter Akt die klammheimliche Entführung von Clank war. Das für die PlayStation 3 inzwischen dritte Weltraumabenteuer, führt das beliebte Jump’n’Run-Duo einmal quer durch die Galaxie und wieder zurück. Abermals wagten die Entwickler der erstmals im Jahr 2002 erschienen Spielreihe eine Menge, schleusten mitsamt beeindruckender Kulissen, einem 1A-Soundtrack und brillantem Sounddesign, zahlreiche Neuerungen im Gameplay und natürlich jede Menge Action ein. Ein Wagnis, das sich in jedem Fall – und größtenteils – vollends auszahlt.

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Der Weltraum“¦ unendliche Weiten“¦
Und genau dieser Leitsatz scheint den Entwicklern Ansporn genug gewesen zu sein, um in „Ratchet und Clank: A Crack In Time“ ordentlich an der riesigen Galaxie-Schraube zu drehen. Denn mit Hilfe des, größtenteils funktionierenden, Raumgleiters, der natürlich nur darauf wartet, wieder einmal repariert zu werden, lässt sich ein großzügig gestaltetes abwechslungsreiches Areal an Weltraum frei, aber teilweise mit ‚zig Feinden im Nacken, durchqueren. Doch im Notfalll sorgen Raketen und das mehr oder minder gewöhnliche Geschütz des Gleiters für genügend „Begleitschutz“. Insbesondere ist es jedoch die Auswahl und Mannigfaltigkeit der begehbaren Planeten und Planetoiden, die eine sich stets auszahlende Kurzweiligkeit und puren Sammelspaß versprechen; währenddessen die zumeist vollwertigen Planeten für langfristige, und nicht selten questbezogene Besuche herhalten. Allerdings ist auch das freie Bereisen aller Welten, sowie das freie Durchqueren der Galaxie außerhalb eines Quests – ganz in gewohnter R&C-Manier – möglich.

Quietschbunt
Die Darstellungen der unzählig vielen Welten sind dabei stets optisch variierend, sich selten im Detail wiederholend und immerwährend auf einem überaus beeindruckenden, technischen Niveau, das an die beiden direkten PS3-Vorgänger anknüpft und diese manchmal sogar ein Stück weit überflügelt. „Ratchet und Clank: A Crack In Time“ sieht einfach fantastisch aus! Mit seinen schillernden Farben, der schrillen und teils skurrilen, aber auch ehrfürchtigen Kulissen und seinen fremden und oftmals lustigen Wesen, verfügt das Spiel über alles, was ein echtes R&C-Abenteuer braucht. Mit Liebe gestaltet und mit Respekt zum Detail verewigt. Die optische Abwechslung erscheint dabei fast wie eine Selbstverständlichkeit, auch wenn es dank wunderschönster Orte [wie der Maya-Ruinen-Stadt] praktisch immer wieder dazu kommt, dass man sich als Spieler in die dargebotenen Plätze und Planeten schlichtweg verliebt.

Technische Unausgewogenheiten wie Tearing, SlowDowns oder gar Ruckeln sind für die Entwickler von Insomniac offensichtlich und zum Glück keine Option, so dass bis auf eine manchmal etwas [subjektiv empfundene] „überladene“ Optik keine Mankos festzustellen sind. Und die unterschiedlichen Witterungs- und Tageszeitbedingungen, die zwar allesamt vordefiniert und nicht dynamisch sind, hauchen dem Titel spürbar mehr Atmosphäre ein, als es noch das hervorragende „Tools Of Destruction“ zu vermitteln vermochte.

Ein bißchen von allem“¦ und auch ein bißchen zu viel
Angelehnt an das perfekt ausgewogene Waffen- und Item-Repertoire von „Ratchet und Clank: Tools Of Destruction“ zeigen die Entwickler in „A Crack In Time“ deutlich mehr spielerische Ideen und technischen Ansatz. Auch wenn sich kurz nach Beginn eine gewisse infantile Verspieltheit darin feststellen lässt. Denn teilweise sind einige Waffen und Items nicht nur unnütz, sondern auch unglaublich unübersichtlich abgelegt und konzipiert. Die Einführung in das Spiel fällt zudem recht kurz aus, so dass man als Spieler dem Prinzip „Learning by doing“ folgen muss, um voranzukommen. Nicht selten wirkt die manchmal übertriebene, unüberschaubare Vielfalt an Waffen, Items und Gadgets, die offensichtlich im zwanghaften Entwickler-von-Gimmick-Wahn erstellt wurden, fast wie eine Mitgift des bekannten Inspektor Gadget, dessen abstruse Ideen und Gegenstände nicht selten unfreiwillig komisch wirken.

Vergangene Stärken, wie Ratchet’s unersetzlicher Omni-Schlüssel – mit Kinetikseil -, oder Clanks erweiterter Rotorschub, und auch einige Neuerungen, erscheinen dagegen immer wieder wie eine kleine Offenbarung. Allen voran sind dies der klobig gestaltete, aber vielseitig verwendbare Chrono-Stab, mit dem sich die Zeit „verbiegen“ lässt und die coolen Hover-Stiefel, die es Ratchet ermöglichen, mit halsbrecherischen Geschwindigkeiten über die weitläufigen Gebiete der einzelnen Welten zu gleiten. Jedes dieser – und natürlich auch weiterer – Gadgets fließt zudem von Zeit zu Zeit merklich in das Gameplay und den Ablauf dessen ein. So ist eine – meist konstante – Anzahl von Items nötig, um bestimmte Passagen zu meistern und Abschnitte damit erfolgreich abschließen zu können. Dank der fortlaufend mitreißenden Geschichte und Handlungsidee braucht man als Spieler allerdings nie um verpasste Gelegenheiten oder Gegenstände zu fürchten.

Echten Aufwind in den ohnehin unterhaltsamen, fröhlichen Plattform- und Rätselspaß, bringen in jedem Fall die neuen Timestamp-Plattformen, die ein Abbild des spielerischen Weges von Clank aufzeichnen, um diesen im Bedarfsfall wiederzugeben. Nicht selten sind die Lösungswege während der Timestamp-Rätsel enorm, so dass „Ratchet und Clank: A Crack In Time“, aufgrund dieser einzigartigen Spielidee, nicht nur etwas für die Finger, sondern auch für den Kopf ist. Und die meist fairen Rücksetzpunkte [Automatische Kontrollpunkte] machen ein Ausmerzen etwaiger Fehltritte möglich. Auch wenn diese Abschnitte nicht selten 5-10 Minuten Spielzeit beinhalten können.

Manchmal knackig“¦ Manchmal nervtötend“¦
Die gut strukturierte und spannungsreiche Storyline, die den Spieler immer weiter in die Ereignisse rund um Ratchet’s und Clank’s Vergangenheit, und natürlich der vordergründigen „Dr. Nefarius-Krise“ einblicken lässt, verläuft im großen und ganzen sehr spielanimierend. Und auch wenn die Art der Quests zumeist um ein vielfaches simpler gestrickt ist, als die Geschichte selbst, sind bestimmte Aufgaben, wie Geleitschutz von NPCs oder den eben erwähnten Time-Rätsel extrem herausfordernd, so dass die Frage nach dem Schwierigkeitsgrad praktisch auf der Hand liegt. Denn dieser ist bedeutend höher, als in allen Vorgängern.

„Ratchet und Clank: A Crack In Time“ bleibt dennoch ein auf Geschicklichkeit und Ausdauer ausgelegtes, grandioses Jump’n’Run-Spiel, das in diesem Fall allerdings auch deutlich mehr 3rd-Person-Shooter-Elemente eint, als seine acht Vorgänger. Ein Fakt, der den Spielablauf nicht selten unnötig umstrukturiert und manchmal sogar dezent lästig erscheinen lässt. Doch die etwaig angelegten Kletter-, Spring- und Plattform-Passagen bleiben davon natürlich unberührt und machen etwaige, anstrengende Schießereien bei weitem überragend -positivierend- wett.

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Das Fazit: Die beiden „schusseligen“ Superhelden sind endlich zurück!
Mit „Ratchet und Clank: A Crack In Time“ wagen sich die Entwickler von Insomniac galaktisch weit aus dem Fenster. Nicht nur, dass die beiden Hauptdarsteller während des gesamten Spiels (immer noch) getrennt voneinander agieren, auch die Vielfältigkeit der Gadgets wurde deutlich, aber nicht immer sinnvoll, erhöht. Das erheiternde Plattform- und Rätsel-Abenteuer-Gameplay steht in „A Crack In Time“ stets im Vordergrund und ist an eine fesselnde Storyline gebunden, welche wiederum an einige etwas nervenzehrende Shooter-Passagen gebunden ist, die gern der Schere hätten zum Opfer fallen können. Abschließend lässt sich jedoch sagen, dass die Mischung bissfest ist,… zudem überaus fantastsisch ausschaut… und mit den eben genannten kleineren Wehwehchen in jedem Fall leben kann. Den Entwicklern gelingt der Griff in die Sequel-Kiste, so dass man als geneigter Spieler mit Freude einer weiteren Fortsetzung entgegenfiebern darf. Ein Top-Titel mit Kaufempfehlung!

Das gelungene Sequel eines der besten Jump and Run’s-Franchise überhaupt!


Die Bilder und das „Ratchet & Clank: A Crack In Time“-Logo sind Eigentum von Sony Computer Entertainment. „Ratchet & Clank: A Crack In Time“ wurde uns freundlicher Weise von Sony Computer Entertainment zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen unter: www.ratchetandclank.com

Getestet mit: Sony Bravia KDL-40W4730AEP & PS3 + DualShock 3
Verfasst von Oliver Erichsen | 30. Januar 2010