Prey

Boah, was‘ ein Spiel…! Dead Space, Alien: Isolation, Resident Evil anyone? Prey hat sie alle – in sich vereint! Wir haben in den letzten Jahren ja einiges auf dem Tisch liegen gehabt, aber Prey, aus dem Hause Arkane Studio – für Bethesda Softworks, ist schon etwas sehr besonderes. Vom ersten Moment an, … vom schockierenden „zweiten Erwachen“ an, ist Prey suuuuuper unheimlich, irgendwie bizarr und außerdem extrem bedrückend & mitreißend ohne Ende. Und das liegt nicht nur am fetten und ungemein feinsinnigen Electro-Soundtrack, der den Spieler komplett einhüllt.

prey-logo

Das Spiel verkauft seine spannend erzählte, aber genretypische Storyline auf eine ausgefallen fesselnde, unglaublich viszerale Art und Weise. Trotz der offensichtlichen, verstörenden Tatsachen, die dem Spieler gleich zu Beginn dargeboten werden, nimmt sich die „erwachsene“ Erzählung selbst nichts vorweg,… Sie lässt den Spieler das diffizile Konstrukt der Vergangenheit selbst entfalten und birgt eine Zukunft, die sich ungewisser und unbehaglicher kaum anfühlen könnte…

WTF?! OMG!

Prey ist ein klassisches „Was ist hier los? Wo bin ich?“-Spiel, das den Gamer in eine bereits vollendete Katastrophe hineinwirft – ähnlich der o.g. Genretitel. Vor zahlreiche scheinbar unlösbare Herausforderungen und Aufgaben gestellt, gilt es, die Hintergründe des Vorfalles im Laufe des Game in Erfahrung zu bringen… und den Schleier der Dunkelheit zu lüften! Unzählige Terminals, Emails, Akten, Notizen, Videos und Audiologs geben Aufschluss; Sie bringen einen tiefen Einblick in das Geschehen und intensivieren gleichzeitig die perfekt getimte fortschreitende Spielwirkung – um den vernichtenden Überfall einer außerirdischen Spezies, die sich kontinuierlich entwickelt.

Von wegen kleine grüne Männchen..!

Die Typhon,… eine schattenhafte, schwarze Existenz aus Rauch, Schleim und einem düsteren Zellkern sind die überlegenen Gegner,… die übermächtige Bedrohung in Prey. Sie siedeln sich an, vermehren sich, ergreifen Besitz von Objekten, verwandeln und tarnen sich in scheinbar harmloses Interieur. Sie verfolgen alles was nicht tot ist. Sie haben nur ein Ziel: Ihr Gegenüber zu töten. UNS zu töten. UNS Menschen! Gruselig, die Dinger… und ungemein flink, hinterhältig und stark!

Prey verfügt erfreulicherweise über mehrere Gegnertypen, die auf divergente Art ihrem Schöpfer zugeführt werden können. Kleinere Biester, die mit einem einfachen Schlag auf den,… ähm… Kopf (?) ausgeschaltet werden können. Etwas größere Viecher, die vor allem, wenn sie betäubt sind, ordentlich Schaden abbekommen! Andere müssen ausgetrickst oder umgangen werden. Bei wieder anderen hilft eigentlich nur die Flucht… zu jeder Zeit gilt: Der Spieler ist stets dazu angehalten, genau zu schauen, mit welchem Gegner er die Ehre hat. Das erhöht nicht nur die Aufmerksamkeit und vor allem die Spannung, sondern in herausragender Weise auch die Gameplay-Varianz!

Loot. Loot. Loot tut gut!

Ebenso abwechslungsreich präsentiert sich das coole, umfängliche Crafting-System, das dem Spieler nicht nur nützliche Item beschert, sondern auch den Spielwert immens steigert! Es ist absolut zeitlos und sonderbar zugleich: Der Spieler kann gefundene alte Kabel, defekte Spulen und leere Behälter, aber auch doppelte Waffen, altes Essen oder andere Gegenstände in einem ‚Recycler‘ schreddern und in organische, synthetische oder extraordinäre Bestandteile zerlegen, um daraus im ‚Fabrikator‘ neue Gegenstände – wie Waffen, Ausrüstung, Medikits oder Munition – herzustellen. Hierfür benötigt er lediglich die entsprechenden Baupläne. Ähm,… Ooops: Die sind natürlich auf der gesamten Raumstation auf der Prey spielt, der Talos I – mal mehr, mal weniger – verteilt und versteckt. Es gilt, sie nur zu finden… The Anreiz is real!

Augen auf beim Wege-Lauf!

Alle Wege führen nach… ja – genau! Und so nimmt sich auch Prey die Freiheit, alle Wege zum großen Ziel führen zu lassen! Und wer nochmal sagt „Prey hätte im Grunde nur einen Lösungsweg“,… der hat sich entweder nicht genügend Zeit beim Erkunden gelassen, ist mit zugekniffenen Augen über die Talos I gerannt oder war durch seine mickrige Vorstellungskraft extrem limitiert! Also echt Leute… *thumbs-down*

Prey demonstriert auf äußerst subtile Art und Weise, dass der offensichtliche Weg nicht der einzige Weg zum Ziel ist. Das Spiel weist den Spieler zu Beginn (sogar!) auf die verschiedentlichen Möglichkeiten zur Wegfindung hin. Der Gamer KANN sich umsehen, um möglicherweise ‚bessere‘ Alternativrouten zu finden! … Manchmal bieten Klimaschächte, scheinbar nicht passierbare Treppenbereiche, schwindelerregende Aufzugsschächte oder auch Luftschleusen einen effektiveren, eventuell langsameren, aber eventuell sichereren Weg zum Ziel. Auch der Gloo-Hartschaum (aus der gleichnamigen Kanone) kann aushärten und neue Wege eröffnen!

Doch: Diese Wege sind nicht so leicht auszumachen… und das macht Prey umso brillanter! Denn auf den zahlreichen Umwegen findet sich vielleicht noch das ein oder andere Bauteil, die nächstbeste Waffe, ein legendärer Bauplan – oder einfach nur das nächste Riesen-Typhon, das (für ordentlich Loot) besiegt werden will. In diesem Sinne: Glückauf!

Dein Stil, dein Ding… Deine Art zu Spielen.

Ebenso freigiebig gestattet Prey es seinen Spielern, den eigenen Spielstil zu finden und aufzubauen! Denn Prey lässt sich offensiv, defensiv oder teils-teils spielen. Es bietet ein volles Waffen- und Abwehrsystem, bietet [pausierte] Schnellzugriffe für kompakte Interaktionen & Optionen im Kampf, offeriert ein vollständiges Versteck- und Deckungssystem und offenbart aufmerksamen Spielern eine grandiose, interaktive Umwelt, die zur Fortbewegung – bspw. zur Flucht, zum Schutz oder für den Kampf genutzt werden kann. Der Spieler entscheidet, wohin die Reise geht…

Ins Gesiiiiiicht: Upgrade erforderlich!
Und um alle Möglichkeiten des Kampfes und zur Wegfindung auszuschöpfen, muss der Spieler mit Hilfe von sogenannten ‚Neuromods‘ seine Fähigkeiten erweitern. Das Prinzip ist überaus geläufig und bietet einen typischen Skilltree, der allerdings elementare Spezialisierungen beinhaltet. Sie sind von immenser Bedeutung in Prey, und nicht bloß Beiwerk. Unterteilt in (anfangs) drei Kategorien – Wissenschaftler, Techniker & Sicherheit – steht der Spieler im wahrsten Sinne vor der Wahl der Qual, die sich mit dem Scannen und Erforschen der Typhons abermals brillant und unerwartet erweitert! Die Wahl bleibt dennoch beim Spieler,… doch eines ist klar: Wer menschlich bleiben will, sollte nicht allzu doll mit den Fähigkeiten der Mimics herumexperimentieren!

Aber: Möchte man zusätzliche Wege freischalten, die aktuell möglicherweise mit schweren Gegenständen blockiert sind, braucht man Hebelkraft. Möchte man mobile Geschütze für sich arbeiten lassen, benötigt man eventuell die Fähigkeit der Reparatur. Und um Sicherheitsmaßnahmen auf der Talos I zu deaktivieren, sind Hackergrundlagen ebenfalls gefragt. Neuromods sind eindeutig die Lösung,… auch wenn die Dinger äußerst selten zu finden sind, so haben sie doch eine bedeutsame Wirkung auf das Spielprinzip. Natürlich können Neuromods auch schlicht die Kondition, die Tragkraft, die Ausdauer oder die Fähigkeit, Waffen herzustellen und zu verbessern, aufwerten. Die Entscheidung liegt abermals beim Spieler.

Optisch anziehend und technisch modern!

Visuell präsentiert sich Prey übrigens außerordentlich stark und nicht selten beeindruckend. Die lebendigen Umgebungen, stilsicheren und abwechslungsreichen Kulissen, sowie die Vielfalt der Darstellung macht Prey zu einem topaktuellen Titel, der abseits seiner wachspuppenartigen NPC-Gesichter durchweg zeitgemäß ist! Eine schöne Texturvielfalt, dynamische Licht- und Schatteneffekte, sowie vielschichtige Shader-Sturkturen werten den bildgewaltigen Titel der Arkane Studios vorzüglich auf, wenngleich das Game eine sichtlich bessere Kantenglättung und ein effektiveres Texturemapping & Streaming hätte vertragen können.

Patch 1.04 und seine (Neben)Wirkung!

Die PlayStation 4-Version von Prey erhielt in der letzten Woche zudem den langersehnten PS4 Pro [4K] Patch, der das Spiel auf PS4 Pro fortan in 4K rendert. Der Sci-Fi-Thriller läuft seit dem leider nicht mehr ganz so stabil wie zuvor, so dass Spieler in Prey nicht mehr nur gegen die grauenhaften Typhon, sondern auch mit massiven Frameraten-Problemen und damit verbundenen Rucklern kämpfen müssen. Und zwar unabhängig davon, ob sie auf der Standard PS4 oder der Pro spielen! Urgh: Sehr ungeil! Aber vermutlich nur ein „Schönheitsfehler“, der aufgrund des dafür verbesserten Input Lags entstanden ist. Aber ganz ehrlich: Es ist zu erwarten, dass der Entwickler hier noch einmal erfolgreich nachbessert.

Der erste Preis fürs Handling geht an…

Apropos: Prey ist ein Meister des Handlings. Trotz der umfangreichen, man kann fast sagen unendlichen Gameplay/Interaktions-Optionen lebt das Game von einer perfekten Zugänglichkeit. Es bedarf kein Tutorial, kein Nachdenken beim Auswählen, kein Suchen in den Menüs und kein Einfinden in die Bedienung. Der Spieler hat zu JEDER Zeit die volle Kontrolle über Prey,… das einzig und allein ein bisschen sehr lang lädt (bis zu 41sek. auf der PS4 Pro mit SSD), wenn man mal „kurzerhand“ von einer Station der Talos I zur anderen wechseln will. Und: Die dedizierte Einteilung des Touchpad in zwei Bereiche – für Map und Inventar, wäre wünschenswert und denkbar gewesen. Ansonsten in Prey ein ÜBER-Master des Handlings.

 

Fazit: „EIN KLASSE TITEL“

Prey ist laut offizieller Beschreibung des Publishers ein Sci-Fi-Thriller… Und ganz ehrlich: Bethesda hat mit dieser Bezeichnung SOWAS von Recht! Prey ist die Mainstream-Verkörperung des survialartigen Science Fiction Thrillers. Ein Thriller, der gruselige Aliens, performante High-Tec und ein extrem düsteres Horror-Setting bietet, das von Anfang bis Ende strikt und durchdacht ist! Und Mainstream ist in diesem Fall absolut POSITIV gemeint! Der Titel ist super zugänglich – inhaltlich wie spielerisch! Und: Prey hat all das, was man sich als Fan dystopischer Sci-Fi-Unterhaltung wünscht: Weitläufige, freie Erkundung, ein attraktives Loot & Crafting-System, extensive Skillbäume, actionreiche Kämpfe und eine Kulisse, wie sie abgehobener und beklemmender nicht sein könnte. Einfach GEIL! Und dabei stellt sich Prey sonderlich geschickt an, sich trotz der weitgehend bekannten Spielmechanismen extrem frisch und eigenständig anzufühlen. Der ausgeklügelte Mix, das gut pointierte narrative Pacing, die Atmo und die offene Spielwelt zeichnen sich hierfür maßgeblich verantwortlich. Hinzu kommt, dass Prey auch audio-visuell zur Gänze bestens unterhält. Einzig in Punkto Technik wäre auf der PS4 (Pro), bei entsprechendem Fein-Tuning, sicherlich mehr drin gewesen… zumal die Ruckelpartien (unter Patch 1.04) schon arg nervig sind! Doch der Entwickler gelobt Besserung! Insofern lässt sich das tiefgreifende, adrenalintreibende und super faszinierende Prey für alle Genrefans – ohne Einschränkungen – zur Gänze empfehlen! Prey ist ein klasse Titel – ohne Frage!

Die Bilder und das „Prey“-Logo sind Eigentum von Bethesda Softworks. „Prey“ wurde uns freundlicher Weise von Bethesda Softworks zur Verfügung gestellt.

Prey

Prey
9.12

Umsetzung

9/10

    Grafik / Technik

    9/10

      Gameplay

      9/10

        Handling

        9/10

          Spielspaß

          9/10

            Pros

            • fantastisches Setting
            • exzellente Atmosphäre
            • komplexes Gameplay
            • extrem gutes Handling
            • 1A audiovisuelles Design

            Cons

            • Tec-Probs (seit Update 1.04)
            • leichtes Kantenflimmern
            • Schwierigkeitsgrad tw. zu schwer
            • keine Map/Inventar-Option [TP]