Nach Jahren des Wartens ist es endlich soweit: Die legendäre Rollenspiel-Marke „Sacred“ meldet sich mit „Sacred 3“ – auf PC, PS3 und Xbox 360 – zurück! Doch,… halt STOP… wo ist der große KNALL, der Hype!?? Wo ist das überwältigende Presse- und Community-Echo, das zu Zeiten der Vorgänger noch monatelang nachhallte, und die Reihe ZURECHT in den Himmel lobte?!? Hat sich der neue Titel tatsächlich so verändert, dass den Fans der Serie die Freude über den langersehnten Release buchstäblich im Halse stecken geblieben ist? Ist das Game tatsächlich so schlecht, wie derzeit fast überall zu lesen ist? Oder steckt in „Sacred 3“ doch noch etwas Heiliges,… wenigstens der Geist der erfolgreichen und überaus beliebten Vorgänger? Wir wollen uns selbst ein Bild machen – und EUCH daran teilhaben lassen…
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Hallo, ANDERE WELT!
Nun, zu erst einmal lässt sich wohl sagen, dass „Sacred 3“ genau das geworden ist, was die Entwickler sich offenbar vorgestellt haben! Ein zugängliches, unkompliziertes ‚Schnetzel-Metzel‘-Game – samt teilisometrischer Sicht, das seiner Grundidee vom einsteigerfreundlichen, ungezwungenen Hack’n’Slay-Slasher alle Ehre macht! GENAU DAS wollte man offenbar bei Deep Silver und Keen Games, die schon mit „Sacred: Citadel“, dem Quasi-„Vorspiel“ zur dritten Inkarnation der Sacred-Reihe, ihre neue Spielidee durchsetzten! Mehr Zugänglichkeit. Mehr Kurzweil. Mehr Boom-boom! Mehr… Schneller. Doller. Und so weiter…
Was in „Sacred: Citadel“ für die einen noch als Ausrutscher und für die anderen als durchaus unterhaltsame Abwechslung Verständnis oder Anklang fand, erreicht die virtuelle Spielwelt von „Ancaria“ nun mit voller Breitseite! Übertrieben witzige Comments von eindimensionalen Charakteren, die sich in einer belanglosen Storyline, von hämmernder Kriegsmusik verfolgt, schnurstracks durch die einst atmosphärischen Lande Ancarias bewegen. Wie gesagt: „Citadel“ war wahrlich nur der Vorgeschmack…
Adios, OPEN WORLD!
Im Verzicht auf eine offene Welt, schnetzelt sich der Gamer nun durch – mal mehr, mal weniger – schlauchige Areale, durchstreift dabei die visuell und thematisch abwechslungsreichen klimatischen und kulturellen Regionen Ancarias, und trifft auf seiner Reise durch das flächenmäßig stark minimierte, einst offene Land, auf massig gegnerische Horden, die dem Spieler nicht nur mittels Überzahl, sondern auch in Punkto Angriffskraft an den Kragen wollen! Da sagen wir nur: Viel Spaß beim treibenden, muntermachenden Button-smashen!
Zu entdecken gibt es auf der 10-12 stündigen Reise durch die äußerst liebevoll erstellte, prachtvolle, aber leider inhaltsleere Spielewelt nichts mehr. Naja, so gut wie nichts! Keine kleinen Geschichten hinter den Haupt- und Nebencharakteren, keine Nebenquests, und keine geheimnisvollen Dungeons voller verloren geglaubter Rüstung, Waffen oder gar Upgrades! Bis auf HP- und MP-Kugeln, sowie einer reißerischen Menge an glitzerndem Gold für die zu erstehenden Fähigkeiten – am Ende jeder Kampfrunde ist die ehemals erkundungsreiche Welt von Ancaria, sehr zum Leidwesen der Spieler, gänzlich ausgedörrt.
Good-Bye to the LOOT!
Im Kern hebt sich „Sacred 3“ schon allein damit stark von seinen Vorgängern ab! Doch allein damit endet das „Von-der-Liste-Streichen“ der ehemaligen Qualitäten dieser legendären Spiele-Reihe nicht! Ein weiterer harscher Verzicht macht „Sacred 3“ schwer zu schaffen! Der Verzicht auf das allseits geliebte, hart umkämpfte, legendäre ‚Loot‘! Sprich, auf gedroppte Gegenstände, die der Spieler in sein – fortan ebenfalls nicht mehr vorhandenes – Inventar-Menü aufnehmen kann, um dieses minutiös zu begutachten, und wählerisch wie eh und je, dann über alle Backen grinsend auszurüsten kann… Natürlich in der stetigen Hoffnung auf eine massive Verbesserung der Skill- und Spielwerte. Doch: Dieses Konzept ist passé! Dieses mehr als reizvolle, wenn nicht sogar reizvollste Argument des ganzen Spielgenres bleibt dem Spieler von „Sacred 3“ komplett verwehrt! Es gehört der Geschichte vergangener Tage an, als Sacred-Spiele noch Tiefe hatten! Kein Inventar-Menü, kein Loot, keine gedroppten Items! Stattdessen erhält der Spieler zum Ende jeden Abschnitts ein paar neue, jeweils stärkere Items, die er dann verwenden „darf“. Was kommt als nächstes?
C’est la vie, RPG-SYTSEM!
Ebenso entfällt das einst geniale Rollenspiel-System in weiten Teilen! Es weicht einer knappen Übersicht an Skills und Punkten, die der Spieler – ebenfalls am Ende jeder Runde – auswählen und vergeben kann. Trotz der starken Beschneidung der Vielfalt, ist die Auswahl der Fähigkeiten nach wie vor effizient! Die Skills sind allesamt kraftvoll, auch abwechselnd – und bauen im Spiel-Sytsem von „Sacred 3“ auf sinnvolle Expands auf! Die großartige manuelle Erweiterung von Buffs und Perks fällt ebenfalls (wieder) flach, womit schlussendlich auch UNSERE Haben-Liste nun deutlich kürzer und wir deutlich genervter von „Sacred 3“ sind. Was bleibt UNS Spielern eigentlich noch? Es stellt sich so langsam die Frage: Hatten die Entwickler keine Zeit mehr, zwei solch wichtige, essentielle Grundsteine des Crawling/HnS-Genres zu implementieren, oder ist der spielerische Anspruch von Keen Games tatsächlich derart gering?
Bella GRAFIKA!
Wie dem auch sei: Einen großen Pluspunkt erhält „Sacred 3“ in jedem Fall für seine tolle Grafik! Diese sorgt im Hinblick auf die aktuelle 8te Konsolengeneration – gern immer noch Next-Gen genannt – für ein souveränes „Last-Gen“-Erlebnis, das den Stil der Spielreihe grandios einfängt! Samt knackig scharfer, detailreicher Präsentation, die Abseits gelegentlichem Tearing-Versatz und vereinzelt ruckeliger Passagen, auch technisch überzeugt, erstreitet sich „Sacred 3“ einen der vordersten Plätze des ganzen Genres – noch vor DIABLO III! Vor allem die filigranen Umgebungsdetails und die Skill-Präsentation sind echt schmuck. ÜBERHAUPT: Bis auf ein dezentes Kantenflimmern, ist „Sacred 3“ voll und ganz mit wundervollen Details gespickt, nutzt eindrucksvoll dynamische Lichtgebung und fährt mit großartigen sphärischen Effekten auf! Ein visueller Spaß – ganz ohne Frage,… Das spielerisch flache, ausgehebelte Konzept kann die schnieke Grafik natürlich nicht retten! Dennoch: Hübsch ist es allemal…
FAZIT: HÜBSCH, aber REIZLOS, FLACH, und fernab von SACRED!
JA: Das laute Gerede über die schmerzende Abkehr eines der vielversprechenden RPG-Schnetzel-Franchise ist leider wahr. Auch WIR können kaum fassen, was mit einer unserer Lieblingsmarken passiert ist!? Schon „Citadel“ kündigte unheilvoll an, was vor uns liegen würde, doch wir wollten es nicht wahr haben… Im Grunde ist „Sacred 3“ – rein vom Schnetzeln her – nicht schlecht, doch VIEL ZU WENIG entlohnend! Das gelungene Crawling-Prinzip ist großartig, doch überwiegt die Liste an „Streichungen“ genrerelevanter, spielmotivierender (und darüber hinaus altgeliebter) Features gehörig! Sie macht es unmöglich, das Spiel tatsächlich zu genießen… Es gar zu suchten. Es zu l(i)eben… Es zu empfehlen! Das fehlende Loot- und hagere RPG-System sind Schuld am Untergang Ancarias. Die (begrenzte) Levelstruktur, die Arcade-lastige Darbietung und fehlenden Erkundungsoptionen scheinen im Angesicht dessen höchstens noch Kratzer am Lack – oder der letzte Tropfen vor dem Überlaufen zu sein! Und obwohl die Koop-Features, die hohe Zugänglichkeit und auch die Grafik bedingungslos gut, wenn nicht sogar exzellent sind, ist „Sacred 3“ der hoffentlich schnell überwundene Tiefpunkt einer legendären Spielemarke, die ihre besten Zeiten – HOFFENTLICH – noch VOR SICH hat!
OH – UND: Wir können uns nicht helfen, aber irgendwie bleibt der tiefe Wunsch zurück, dass Deep Silver ORDENTLICH nachbessert, das schmerzlich vermisste Loot/RPG-System in einer aufgeputschten PS4-Variante zurückbringt, und „Sacred“ damit neu und in Würde aufleben lässt. Doch bis dahin ist der vormals einhüllende Zauber von Ancaria nun verflogen… jedenfalls in „Sacred 3“!
![Sacred 3 [Game Card]](http://www.media-review.de/wp-content/bilder/screens/ps3_sacred3/gamecard.png)
Die Bilder und das „Sacred 3“-Logo sind Eigentum von Koch Media/Deep Silver. „Sacred 3“ wurde uns freundlicher Weise von Koch Media/Deep Silver zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen unter: sacred3.deepsilver.com
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