Ni No Kuni – Der Fluch der weißen Königin

Stell Dir eine Welt vor, in Katzen zu Königen werden; Feen zu Plüschtieren verhext werden. Bäume sprechen und Vögel wild schnattern können. Eine Welt in der „Herzlosigkeit“ keine Eigenschaft, sondern Akt boshafter Magie ist. Stell Dir eine Welt vor, in der ein Abenteuer das nächste jagt, und Du die einzige Hoffnung bist, das Unheil der Welt, mit Deinem reinen Herzen und Deiner guten Seele, abzuwenden. Diese Welt ist nicht fern. Sie ist zum Greifen nah. Mit einem Schwung bist Du drin – in dieser „anderen Welt“ …

Mit dem PS3-exklusiven “Ni No Kuni” veröffentlicht Namco Bandai, unter der Entwicklung von Level 5, ein wahr gewordenes, zauberhaftes RPG-Märchen, das sich geschickt vom düsteren Tenor der aktuellen Zeit [und Gaming-Branche] loszulösen und seine Spieler zu verzaubern weiß. In einer kunterbunten, episch angelegten Geschichte um die bevorstehende “innere Leere” einer ganzen Welt, entführt “Ni No Kuni – Der Fluch der weißen Königin” mit jeder Menge unterhaltsame Dialoge, einem fantastischen grafischen Stil, einem verspielten Soundtrack und einem Gameplay, dass das Genre asiatischer RPGs um einiges aufzustocken vermag. Doch eins nach dem anderen…

Einem berührenden, wunderschönen Traum entsprungen
“Ni No Kuni” wird in erster Linie durch den wundervollen Zeichentrick-Stil und den damit lebendigen, traumhaft schönen Kulissen, Charakteren und Animationen zu Leben erweckt, die das Studio in künstlerischer Feinarbeit angefertigt und eindrucksvoll implementiert hat. Sie sind allesamt positiv, inspirierend, und einfach schön. Der geneigte Spieler ist auf Anhieb gerührt, und von der “Liebe” zum Detail nicht selten sogar überwältigt. Schon allein dieser klassische Zeichentrick- bzw. Anime-Stil, der an heimelige Kindertage, dem eigenen hinterherjagen von Abenteuern – nach neuen Geschichten erinnert, aber auch das wohlige Gefühl eines Sonntagmorgenfrühstücks mit der Familie in sich trägt, ist unbeschreiblich herzlich und dieser Tage immens wohltuend. Er definiert das Spiel in Punko Stimmung und Atmosphäre zudem maßgeblich, und kann dabei auch technisch überzeugen. Bis auf ein leichtes Kantenflimmern bzw. dezente Pixelschatten bei Bewegung, läuft “Ni No Kuni” stets flüssig und sauber. Üppig ausgestaltete Landstriche mit im Wind wehendem Geäst, umherschwirrendem Laub, herumlaufenden Tieren und glitzernden Wasserfällen, sind dabei ebenso oft zu erhaschen, wie gut bewohnte Städte, herumtollende Kinder und bildgewaltige Höhlen, Täler, Auen oder Schlösser. “Ni No Kuni” eint sämtliche Vorstellungen einer natürlichen Welt in sich.

Von Stärke, Magie und endlosen Gesprächen mit einer Fee
Dabei versteht sich “Ni No Kuni” als echtes (und auch erwachsengerechtes) Rollenspiel – ohne wenn und aber. Es beherbergt mehrere Dutzend Stunden Spielspaß unter einem fantastischen Mantel aus Abenteuer, Entdeckung, Kampf und Geschichte. Es führt den Spieler von der ersten Minute an gekonnt in eine wundersame Welt, die er so vermutlich noch nie gesehen hat. Von sprechenden Katern, Vögeln und Bäumen mal ganz abgesehen. Der Spieler taucht zusammen mit ‘Oliver’ in eine magische Welt ein, die wunderschön und abenteuerlich zugleich ist. Und der Spieler ist niemals allein. Denn “Tröpfchen”, der feenhafte, treue Weggefährte von unserem kleinen Helden ‘Oliver’, ist auf allen Wegen mit dabei. Dieser lehrt dem unerfahrenen Jungen zudem die wesentlichen Grundzüge der Magie, erklärt verworrene Situationen und beschwatzt ihn unaufhörlich mit quälgeistiger, aber auch liebenswerter Intensität.

Insgesamt ist “Ni No Kuni” – von Zeit zu Zeit – ein wenig “geschwätzig”. Doch: Dank des tollen Humors der Schreiberlinge, verliert sich das Spiel nie in unnötigem Gerede, gähnender Langeweile oder gar nervigem Geplapper. Die vielen Phrasen und Anekdoten bringen zumeist Pepp, Unterhaltung, Spaß und Hintergrundwissen zum Spiel. Und dieses ist nicht selten von Nöten, um in der gefährlichen Welt von “Ni No Kuni” zu bestehen. An jeder Ecke warten Gefahren. Es warten ganze Horden von Gegnern, die anfangs zwar noch überschaubar, zum Ende hin jedoch kaum noch bestreitbar scheinen.

Kampfgeist(er)
Ein Kampf verläuft dabei übrigens immer in Echtzeit. Der Spieler kann während der Kampfphase, nach dem Aufeinandertreffen mit einem Gegner in der “offenen” Welt, verschiedenste Befehle nützen, um auf dem Schlachtfeld zu agieren. Ob mit einem einfachen ‘Angriff’, einer gekonnten ‘Verteidigung’ oder einer starken ‘magischen Attacke’, der Spieler hält das Strategie-Zepter zur Gänze in seiner Hand, kann darüber hinaus aber auch andere für sich kämpfen lassen. Nämlich die sogenannten ‘Kreaturen’, die ‘Oliver’s’ Kampfgeist entspringen, und mit unterschiedlichsten Spezialattacken und fulminanten Extra-Fähigkeiten aufwarten. Je nach Stufe kann ‘Oliver’ davon bis zu einer handvoll im Kampf herbeirufen. Doch diese kleinen ’Kreaturen’ wollen nicht nur kämpfen. Sie wollen geliebt, gestreichelt, versorgt, und vor allem gefüttert werden. Natürlich nicht während des Kampfes, aber außerhalb des manchmal etwas chaotischen Schlachtfeldes sind sie das “Tamagotschi” für alle Fälle, das wächst und gedeiht, wenn es anständig gepflegt wird. Auch Rüstungen, Waffen und Goodies können den kleinen Lieblingen zugesteckt werden! Ein ungemein unterhaltsames, ungleich attraktives und unverwechselbares Feature, das “Ni No Kuni” nahezu einmalig macht!

‘Oliver’s’ Attribute hat der Spieler überdies nur selten selbst in der Hand. Nach jedem errungenen Sieg steigen die Fähigkeiten und Grundzüge des jungen Magiers von selbst an, ohne dass der Spieler hier Einfluss auf deren Verteilung nehmen kann. Da diese jedoch durchweg sinngemäß ist, gibt es im Grunde kaum Anlaß zu Beanstandungen. Schließlich kann der Spieler wenigstens das Aussehen von ’Oliver’ und seinen Rüstungen, Waffen und Tränken, dank des hervorragenden Inventar-Menüs, je nach bevorstehender Aufgabe, aussuchen und zusammenstellen. Und Quests gibt es in “Ni No Kuni” genügend. Zwar besteht ein Großteil der Quests aus “Hol- und Bring“-Herausforderungen.So sind “Suche- und Finde”- bzw. “Befreie” oder “Erlöse” sowie “Erlange…”-Quests mindestens ebenso oft zu finden. Sie bieten dem Spieler nebst des antreibenden Hauptquests nicht nur Abwechlsung, sondern auch die Möglichkeit, Attribute weiter aufzuwerten, Gold zu sammeln und neue Freunde (und Feinde) zu finden.

Vom Buch der Weisen zum nimmervollen Beutel…
Sämtliche Aufgaben findet der Spieler übrigens im ‘Tagebuch’ der stets zugänglichen, klassisch gehaltenen Ingame-Menüoberfläche, die auch den grandiosen “Nimmervoll”-Beutel (das Inventar-Menü von ‘Oliver‘), die ‘Herzphiole’, die das Gleichgewicht der Welt wieder herstellen kann, aber auch den ‘sprechenden Stein’ – mit Infos zum Spielablauf – und den vermutlich umfangreichsten, überdies komplett in deutsch übersetzten Wissensschatz aller Zeiten, den ’magischen Begleiter’ beherbergt. Dieser ‘Begleiter’ liest sich wahrlich wie ein Buch – und lässt sich sogar richtig “blättern“, in dem der Spieler alle – wirklich ALLE – Infos zur Geschichte der “Welt“, zu wichtigen Legenden und zu Zaubersprüchen, Kreaturen, aber auch zu Alchemie und Ausrüstung finden kann. Auf insgesamt 340 Seiten kann der Spieler “hier” einfach alles nachschlagen – und dabei neue Dinge lernen und studieren!

“Ni No Kuni” verfügt indes, erwartungsgemäß, über keine deutsche Sprachausgabe. Da dies ist im Anime-Sektor jedoch äußert gebräuchlich ist und der Großteil der Kommunikation ohnehin auf Sprachtafeln erfolgt, vermisst der Spieler eine deutsche Sprachausgabe zuweilen kaum. Einzig die hervorragenden Zwischensequenzen hätten, wünschenswerter Weise, eine deutsche Sprachausgabe verdient gehabt.

 

Das Fazit: Ein großartiges Rollenspiel-Abenteuer – mit Herz!
Für Namco Bandai’s Entscheidung, den einst “klein” dimensionierten Nintendo DS-Hit aus Japan “Ni No Kuni” auf der PS3 zu veröffentlichen, darf man als geneigter Anime- und JRPG-Fan wahrlich auf die Knie fallen und dem Himmel danken. “Ni No Kuni” schreibt mit dieser großartigen Entscheidung ein Stück Rollenspiel-Geschichte und mischt somit vor allem das westliche Territorium ordentlich auf. Namco hatte den richtigen Riecher für das Potential dieses emotional hervorragend erzählten, opulent inszenierten, spannenden RPG-Titels. Nicht nur, dass es das wundervollste und harmonischste Rollenspiel dieser Tage ist: Es bietet handfesten RPG-Spielanreiz, der auch für erwachsene Spieler ‚zig Stunden Abenteuer-Feeling bereithält. Die tolle Story, liebenswürdige Figuren, die heimelige Optik, und ein inspirierender Hauch von Magie erfüllen dieses Spiel mit “Herz” – und den Spieler mit Freude. Einfach fantastisch!


Die Bilder und das „Ni No Kuni – Der Fluch der weißen Königin“-Logo sind Eigentum von Namco Bandai. „Ni No Kuni – Der Fluch der weißen Königin“ wurde uns freundlicher Weise von Namco Bandai zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen unter: ninokunigame.eu