Dragon’s Dogma

Am Anfang war der Drachen. Der Drachen, der Feuer spieh, ächzend gen Erdboden flog und sich dabei weit nach vorne beugte, um all die hilflosen Menschen in ewige Flammen zu stürzen. Das kleine Schwert, das ihm ein nameloser Held an einem Strand entgegenstreckte, belächelte er nur. Anmaßend und unterhaltsam fand er es, dass das jemand wagte. Da streckte sich der Drache ein weiteres, letztes Mal nach vorn, um seinen waghalsigen, aber wehrlosen Widersacher mit einer Pranke zu erdrücken“¦ doch zertrat er ihn nicht. Er drückte ihn hinunter“¦ um ihm das Herz bei lebendigem Leibe aus dem Körper zu reißen!

Von einem Drachen das Herz aus dem Leibe ‚rausgerissen zu bekommen“¦ Welcher Rollenspieler hat hiervon noch nicht geträumt!? CAPCOM machts möglich! CAPCOM eröffnet mit ebendieser Szene sein neues Franchise „Dragon’s Dogma“, in dem der Spieler nach besten Kräften bemüht sein sollte, sein pumpendes Eigentum wieder zu erlangen“¦ In einer episch angelegten Storyline, untermalt von melancholischen, aber auch kämpferischen Klängen und stupidem Gestöhne der Spielfiguren, kann der geneigte RPG-Spieler hier eine weit gestaltete, von zumeist Bring- und Hol-Quests durchzogene, spannende, mittelalterliche Welt vorfinden, die dem Genre-König – The Elder Scrolls – zwar nicht das Wasser reichen, aber doch mehrere Dutzend Stunden lang unterhalten kann!

Von Stein und Baum…
Der hölzerne Look des Spiels, der vor allem in den Innenbereichen an grafischer Feinheit missen lässt, birgt auch in den weitläufigen Außenarealen, mit Ausnahme des dynamisch agierenden Baum- und Astswerks, nur selten wahre Augenöffner. Dungeons bilden hier die einzige Ausnahme, die trotz der minimiert dynamischen Licht- und Schatteneffekte zu wahrer Atmosphäre und optischer Finesse beitragen. Auch die Charaktere des Spiels, naja, zumindest der spielbare Hauptcharakter – und dessen Knechte (Vasallen), liebreizen die Augen des Gamers, nachdem dieser seine Spielfigur in einem grandiosen Charakter-System erschaffen hat. Die variantenreichen Individualisierungen scheinen unendlich!

Mit ausgetreckter Brust… gegen den Rest der Welt!
Das Gameplay ordnet sich in Punkto Klassen, Skill- und Charakteranpassung mit Ausnahme eines abgrundtief unübersichtlich aufbereiteten Inventar-Menüs den typischen Genre-Belangen unter und ermöglicht die eng aneinander geknüpften Lande als Krieger, Schurke oder Magier zu durchschreiten. Wilde Kämpfe samt chaotischer Kameraführung und hordenweiser Gegner stehen hierbei im Fokus des Games, währenddessen Erkundunsgphasen zumeist nur selten ohne „Zwischenfall“ auskommen. Schier unendlich viele Sorten Kräuter, jede Menge Kisten und andere sammelbare Objekte wie beispielsweise okkulte Artefakte, die beim Tragen explizite Kräfte und Skills verbessern und aufwerten, können gefunden, genutzt und/oder gesammelt werden.

Ein echtes Highlight von „Dragon’s Dogma“ ist das im Vorwege groß angekündigte „Vasallen-System“, das es ermöglicht, an vorgesehenen Punkten im Spiel ständige Begleiter herbeizurufen. Diese dienen jedoch nicht nur der rustikalen Unterstützung im Kampf, wobei sie oft versagen; sie dienen der geschwätzigen Unterhaltung und ebenfalls der Aufwertung durch den Spieler. Die ‚Vasallen‘ können zudem ins PSN hochgeladen und verliehen werden; ebenso kann ein Spieler die Vasallen eines Freundes „ausleihen“. Und nach der Heimkehr zu seinem Lehnsherrn bringt dieser, sofern Fortuna dem Spieler hold ist, seltene Gegenstände, aber in jedem Fall neu erlangte Fertig- und Fähigkeiten mit.

… mehr als nur „eine“ Achillesferse …
So souverän das Gameplay jedoch erscheint, so zerrüttet wird es vom sperrigen, ungnädigen und schlecht ausbalancierten Handling des Titels. Nicht nur, dass die Gegnerhorden stets in maßloser Überzahl auf den Spieler „einwirken“, auch die zuweilen schlecht positionierte Kampfkamera trägt zu unnötigem Frust ganz maßgeblich bei. Doch eine Tatsache bricht „Dragon’s Dogma“ wahrlich das Genick: Nämlich das überarbeitungswürdige Speichersystem! Dieses sogenannte „automatische Speichersystem“ hat seinen eigentlich wohlgesonnenen „Namen“ nicht verdient! Es wird nämlich ausschließlich beim Ortswechsel (Areal-Wechsel) und bei Schlüsselsequenzen gespeichert. Der Spieler MUSS also ständig MANUELL speichern, möchte er seinen Fortschritt nicht unentlohnt durch frühzeitiges Ableben verlieren. Von der fehlenden deutschen Sprachausgabe mal ganz abgesehen!

 

Das Fazit: Eine epische Reise, auf einem sehr steinigen Weg!
„Dragon’s Dogma“ hat ganz klar zwei markante Seiten. Zum einem besticht das Spiel mit einem herausragenden „Vasallen-System“, das „so“ noch nie erlebt wurde. Des Weiteren bietet das Spiel ein mediterranes Flair in einer grundsätzlich offen gestalteten, mit vielen Quests gespickten Welt, die vor Gefahren, Unheil und Herausforderung nur so strotzt. Auch die wirklich mitreißende, aber etwas anfänglich zögerlich inszenierte Storyline, weiß auf Anhieb zu gefallen und stimmt den Spieler neugierig und ambitioniert. Doch „Dragon’s Dogma“ hat auch eine andere, düstere Seite, die der schlechten Konzeptionierung des Studios zu „verdanken“ ist. Eine „BadAss“-Kamera, mittelständige Optik, ein allgemeines Chaos in praktisch allen Bereichen des HUDs, Inventar, Menü und Interface; und das erwähnt gruselige Speichersystem, das in naher Zukunft hoffentlich einem fröhlichstimmenden Update unterzogen wird. „Dragon’s Dogma“ ist das RPG-Erstlingswerk der CAPCOM-Schmiede. Einen Wertungsbonus gibt es hierfür allerdings nicht! Doch fairer weise erwähnt sei, dass „Dragon’s Dogma“ sich nach intensiver Einspielzeit episch zu „entfalten“ vermag, wenn der Spieler die vielen Stolpersteine, die der Entwickler (noch) nicht ausgebügelt hat, zu übersehen anfängt! EINEN Blick ist „Dragon’s Dogma“ für Genrefans in jedem Fall wert!


Die Bilder und das „Dragon’s Dogma“-Logo sind Eigentum von Capcom. „Dragon’s Dogma“ wurde uns freundlicher Weise von Capcom zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen unter: www.dragonsdogma.com

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