Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden

Mit „Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden“ hat Warner Interactive im Grunde leichtes Spiel, denn nach den eher wenig erfolgreichen Abenteuern von Aragorn und der wirklich unterambitionierten Eroberung – aus dem Hause Pandemic – unter EA, musste Warner/Snowblind Studios mit „Der Krieg im Norden“ im Grunde nur die Grundzutaten zu einem traditionellen Action-RPG liefern, um Franchise-Gamer glücklich zu stimmen. Und genau hier erfüllen Entwickler und Publisher ihre erwartungsgerechte Aufgabe punktgenau und setzen dem schnetzeligen Koop-Actioner eine bemerkenswert passende Tolkien-Krone auf, die überdies durch den brillanten Soundtrack von Inon Zur untermalt wird!

„Der Krieg im Norden“ ist insgesamt durchweg umgeben von dichter Herr der Ringe-Atmosphäre, die sich abseits der ausschließlich strammen, schlauchförmigen Levels ganz wunderbar zu entfalten vermag. Auch wenn ehrlicher Weise gesagt sei, dass die Story anfänglich noch mitreißend und treibend, sich als recht uninspirierter Abklatsch altbekannter Storybögen entpuppt! So ist sie doch zumindest zweckdienlich. Davon unberührt sind die atmosphärischen Spielmomente in den bis dato nie gesehenen Levelabschnitten, wie beispielsweise dem Düsterwald, den Hügelgräberhöhen oder auch Urgost’s Wacht. Diese glänzen durch…  ein ungetrübtes Herr der Ringe-Leitbild, das die Kultur, aber auch das Epos dieser legendären Saga mit ansprechender Grafik, einer lebendigen Umgebung und passenden sphärischen Effekten sinngemäß einfängt.

Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden [Screen] Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden [Screen]

Dabei besinnt sich der „Krieg im Norden“, rein spielerisch, auf das unbändige Schlachten-Potential, das die Ur-Story, also der Herr der Ringe, im Grunde bietet. Für den Spieler bedeutet dies, dass er sich mit zwei weiteren Gefährten, offline [im Split-Screen oder Singleplayer mit KI-Führung] oder via Onlineverbindung durch die weitgehend unbekannten Ebenen Mittelerdes hacken darf. Und genau hier gelingt Snowblind der „kleine“ angestrebte Wurf, der den „Krieg im Norden“ so viel besser erscheinen lässt, als oben genannte Franchise-Vorgänger.

Denn nebst kombofähiger 2-Button-Smash-Action, für schnelle und harte Nahkampfattacken, der Erweiterung um praktische Fernangriffe, und der Zugabe magischer Dreierlei’s, bietet das Spiel seinen Spielern einen anständigen, soliden, charakterspezifischen Rollenspiel-Anteil, der darüber hinaus mit hunderten – aber leider zumeist gleichaussehenden – Rüstungs- und Waffenobjekten aufwartet. So wird vor allem auch die Sammelleidenschaft geneigter Spieler ordentlich angeheizt, noch bevor der Spieler einen weiteren fixen Punkt der Schlacht aufsucht, um die nächste Spinne, den nächsten Ork oder Troll über die Elfen-, Menschen- oder Zwergenklinge springen zu lassen.

Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden [Screen] Der Herr der Ringe: Der Krieg im Norden [Screen]

Sinngemäße Charakter-Skillbäume, die sowohl das Offensiv- als auch das Defensivverhalten der Spielfigur stärken und beeinflussen, regelmäßige Level-Ups – in Ausdauer, Gesundheit, Mana und Stärke – ermöglichen dem Spieler die Ausformung des Charakters nach eigenen Vorstellungen. Von den elbischen Heilkräften Bruchtals, über das scheinbar spurlose Untertauchen eines Waldläufers, bis hin zu adrenalintreibenden Schlachtrufen der Zwerge Erebors, ist die Unterteilung und insbesondere auch die Nutzung der jeweiligen Charakterfähigkeiten für alle drei Gefährten, im gemeinschaftlichen Spielzug durch Mittelerde, ungemein ausschlaggebend!

Doch so zentral das Element des Koops, also des gemeinschaftlichen Scharmützels, und das Nützen der jeweiligen Skills für die gesamte Gruppe auch ist, so sehr fällt an dieser Stelle auf, dass Snowblind eine andere wünschenswerte Möglichkeit der Gameplay-Experience verpasst oder gar vergessen hat: Die Rede ist von durchführbaren Koop-Moves, die das packende, actionreiche Spielprinzip und die ohnehin coolen Finishing Moves, samt schwarztriefendem Orksenblut, abermals um den Faktor X aufgewertet hätten.

 

Doch alles in allem lässt sich vom „Krieg im Norden“, wie bereits klar sein sollte, weitgehend nur Gutes berichten. Natürlich wäre in Punkto RPG mehr drin gewesen; und natürlich bleibt der Wunsch auf ein Elder Scrolls-ähnliches Herr der Ringe-Spiel nach wie vor offen, doch im großen und ganzen ist „Der Krieg im Norden“ genau das geworden, was es von Anfang an versprochen hat! Ein cooles Herr der Ringe-Koop-Action RPG mit rund 20 Stunden brachialstem Gemetzel in wunderschönen, aufregenden und vor allem weitgehend unbekannten Ecken Mittelerdes! Für Fans der Film- und Buchreihe ein klarer Kauf- und Spieltipp!


Cover-Artwork und Bilder sind Eigentum von Warner Bros. Interactive. Dieser Titel wurde uns freundlicher Weise von Warner Bros. Interactive zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen unter www.derkriegimnorden.de

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