Driver: San Francisco

Mitten im ausgebrochenen Nextgen-Reboot-Fieber altbekannter Titelhelden und Spieleserien veröffentlicht Ubisoft mit „Driver: San Francisco“ eine eigentümliche Neuinterpretation der überaus erfolgreichen Driver-Reihe, die zu PS2-Zeiten nicht selten die Top5 der Videogamecharts anführte. Höchstgradig ambitioniert werkelte Ubisoft deshalb in den vergangenen… Jahren an der Neubelebung des beliebten Franchise und gestaltet mit einer gnadenlos guten Inszenierung, einem fetten Soundtrack, einigen windigen Neuerungen und brachial-spaßigen Spielmodi -… sowie altbekanntem Charme einen kurzweiligen Genretitel, der jedoch nicht ausschließlich nur hochpoliert glänzt!

Mit Kanten und Ecken… und doch aalglatt!
Vor allem grafisch trifft „Driver: San Francisco“ den geneigten und verwöhnten HD-Gamer mitten ins Herz! Denn die altbacken wirkende Optik, die technisch wenig zeitgemäße Präsentation des Titels, die zwar ihrer „Überlieferung“ zufolge aufgrund der Größe der Spielwelt, in Sachen technischer Finesse „umdefiniert“ wurde, wirkt rustikal und erinnert samt Tearing, Treppchenbildung und Kantenflimmern in groben Zügen an die Anfänge der aktuellen Konsolengeneration. Die Entwickler begründen diese optische Tristesse mit der durchaus nachvollziehbaren Tatsache, dass das neu integrierte Shift-Feature ein Ein- und Auszoomen der spielbaren Karte zu jeder Zeit – und ohne Lade- oder Nachladezeiten, möglich macht. Die riesige Spielwelt von „Driver San Francisco“ ist somit durchweg und vollständig geladen! Eine durchaus lobenswerte Idee – und zudem guter Ansatz, der an der vorherrschenden Grafikschraube ordentlich gedreht hat!

Driver: San Francisco [Screen] Driver: San Francisco [Screen]

Als Spieler vermisst man deshalb allzu schnell die moderne Dynamik eines zeitgemäßen Renntitels, der vor allem im Vergleich zu Sony’s MotorStorm, Microsoft’s Forza oder selbst EAs Need For Speed, kaum den unteren Saum des Vergleichbaren zu erreichen scheint. Es fehlt an Leben; an natürlicher Bewegung, an spürbarer, intensiver grafischer Atmosphäre, die sich in „Driver: San Francisco“ ausschließlich über einen leichten Nebel in Nähe der Golden Gate Bridge, und einen diffus-milchigen Charakter in anderen Gebieten der Karte definiert. Wenngleich sich das Gras auf den rar gesäten Verkehrsinseln bewegt, bleiben Bäume stocksteif; und auch die Passanten, die im übrigen immerzu wissen, wie man vor Autos ausweicht, wirken wenig homogen und liefern trotz ihrer theoretischen Masse kaum echtes Leben!

Big Picture
Doch mit erklärtem Ziel, den Titel vor allem spielerisch und nicht grafisch in neue Höhen zu bringen, fällt es dem Spieler nach kurzer Einführung kaum weiter schwer, die grafischen Gepflogenheiten der Ingame-Optik zu verdrängen. Dies gelingt auch aufgrund der kongenial inszenierten Zwischensequenzen, die nicht nur cineastisch, sondern auch grafisch auf höchstem Niveau angelegt sind und anders, als die Ingamegrafik über Tiefenschärfe und Texturendetails verfügen. Sie untermauern den eigentlichen Charakter der Spiele-Reihe und legen zudem die neue Perspektive des Franchise dar.

Auch wenn der Spielfluss, vor allem am Anfang des Spiels, allzu oft durch – scheinbar unendlich…  viele… Zwischen- und Dialogsequenzen unterbrochen wird, und der Spieler immer und immer wieder in die souverän angelegte, aber manchmal nicht gänzlich glaubwürdige Storyline hineinkatapultiert wird. Hier verschätzt sich Ubisoft eindeutig im Pacing des Games, das zu Beginn schlichtweg grauselig und absolut ausbremsend ist. Im Verlauf des Spieles, nach Erledigen der ersten Aufgaben und nach erster freier Fahrt durch die architektonisch wenig berauschende City kann sich der… Gamer dann endlich auf die spielerischen Belange von „Driver: San Francisco“ einlassen. Und diese haben es wahrlich in sich!

Driver: San Francisco [Screen] Driver: San Francisco [Screen]

Alles in allem
Ubisoft führt mit „Driver: San Francisco“ ein echtes „Rennspielmodi-Mekka“ ein, das über Verfolgunsjagden mit haarsträubenden Fluchtszenen bis hin zu kurzen, packenden Aufträgen und sonderbaren Mutproben sämtliche denkbare Rennmodi abdeckt! Dazu führt der französische Entwickler das neue Shift-Feature ein, mit dem sich der Spieler ad hoc aus dem eigenen Auto „herausbeamen“ und in jedes frei wählbare, beliebige Auto auf der ungemein riesigen Spielkarte „hineinbeamen“ kann! Ein ausgesprochen wahnwitziges, actionreiches und ungemein unterhaltsames Feature, das nicht nur fahrtechnisch einiges an Abwechslung für den Spieler bereithält.

Denn auch die Aufgaben können in „anderen“ Autos andere sein, und sind nicht selten an bestimmte Erfüllungen geknüpft! So ist der Spieler gut beraten, wenn… er beispielsweise in einen Krankenwagen oder Taxi shiftet, seine Patienten oder Fahrgäste zum gewünschten Ziel bzw. zu einem Krankenhaus fährt. Durch diese und weitere spaßige, kleine Wohltaten kann die Hauptfigur ‚Tanner‘ seine eigenen Ziele; und die des eigentlichen Storybogens, wohlmöglich schneller folgen.

Doch auch innerhalb seines eigenen Autos muss ‚Tanner‘ alle denkbaren Spielmodi und Aufgaben, darunter Zeitfahren, Kontrollpunktfahrten, Paketdienste oder auch reguläre Straßenrennen erledigen. Besonders herausfordernd ist hierbei ein Shift-Rennen, bei dem der Spieler nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Partner – im Team – über die Ziellinie, via Shift, bringen muss. Ein manchmal nicht ganz frustfreier, aber ungleich motivierender Spielspaß… ohnegleichen. Und dank des gewohnt schwammigen, aber souverän funktionierenden Fahrgefühls von „Driver: San Francisco“ fühlen sich alle Rennen an wie echte Driver-Rennen.

Driver: San Francisco [Screen] Driver: San Francisco [Screen]

Shortcuts
Obgleich zu erwähnen ist, dass viele Abschnitte und Modi schlichtweg zu kurz sind, um wahrlich emotional ausgekostet zu werden; ist der Spielreiz von Anfang an äußert hoch! Dennoch: Bei manchen Aufgaben ist sogar der Anfahrtsweg länger als die eigentliche Aufgabe, so dass das freie heizen durch die offene Stadt letztlich mehr Fun bringt, als das eigentliche Anliegen. Auch hier kommt ein Teil des Pacing, also der Spielgeschwindigkeit, dem im Grunde soliden, variantenreichen Gameplay von „Driver: San Francisco“ in die Quere. Und das, obwohl schon das Gefühl für die teilweise rasanten Fahrgeschwindigkeiten ständig zu fehlen scheint.

Endlos. Packend. Spaßbringend.
Richtig anzuziehen versteht „Driver: San Francisco“ allerdings im herausragenden, monstermäßig umfangreichen Online-Multiplayer, der über ein Dutzend verrückte Spielmodi in sich birgt und in den Tests indes immerzu stabil lief. Hier darf sich der Racer mit Spielern aus aller Welt oder… bei privaten Spielen mit seinen Freunden messen und stundenlang beschäftigen; auch wenn die ausufernden und wirklich abgedrehten Spielmodi nicht selten für das reine, spielerische Chaos sorgen! Besonders lustig und motivierend: Die Trophänenjagd und Zonenverteidigung.

Bei der Trophäenjagd erhält ein Spieler des Teams eine „unsichtbare“ Trophäe, die er vor Angreifern durch schlichtes „abhauen“ vor eben diesen schützen muss. Dabei erhält der Halter pro gefahrene Sekunde mit der Trophäe wertvolle Punkte, von denen es bsp. 120 zu sammeln gilt. Wird er allerdings von einem anderen Auto angefahren, wechselt die Trophäe automatisch zum gegnerischen Auto, der selbiges Schicksal ebenso zu erfüllen hat. Dass hierbei, beim – im Volksmund bekannten…  – „Ticken“, der pure Spielspaß entsteht, braucht wohl nicht weiter erläutert zu werden. Tränenerfüllte Lachkrämpfe und Wutanfälle natürlich inbegriffen!

Driver: San Francisco [Screen] Driver: San Francisco [Screen]

Die Zonenverteidigung löst, im vollen Gange, kaum anderes aus und versteht sich hierbei als legendäres, richtungweisendes Spielprinzip für dieses Genre! Kurzum: Ein Team greift die „Zone“ des anderen Teams, für ein paar Punkte, hinterhältig und aus allen Richtungen an. Das angegriffene Team muss sich deshalb mit dem Aufspüren und Rammen der gegnerischen Fahrzeuge beschäftigen und kann sich ausschließlich… nur so… zur Wehr setzen, denn nach dem Rammen wird der Gegner wieder in sein Revier zurückquartiert und darf seinen Angriff nun erneut planen und ausführen! „DAS“ totale Spiel-Chaos und „DER“ totale Spaß pur!

Griffig
Und dank des intuitiven Handlings und der zeitgemäßen Tastenbelegung von „Driver: San Francisco“, das einzig und allein das Gasgeben via X-Button nicht zulässt, spielen sich alle Renn- und Onlinemodi immerzu aus dem Handgelenk, wie es so schön heißt. Der Spieler muss nicht lange überlegen, um sich neu zu positionieren; er darf einfach Gas geben, seinen inhaltlichen Anweisungen folgen und seine Widersacher in Grund und Boden fahren.

Auch wenn die Ladezeiten zwischen den einzelnen Aufgaben, und beim Laden der manchmal scheinbar unendlich vielen Zwischensequenzen den Spieleverlauf abermals in die Knie zwingen; bleibt „Driver: San Francisco“ spielerfreundlich und sichert den Speicherstand praktisch durchgehend!

 

Das Fazit: Grenzenloser Rennspaß mit lahmer Grafik und ruckelndem Pacing!
Es ist nicht leicht, eine Legende wie DRIVER kurz und knapp im Fazit zusammenzufassen. Doch im Großen und Ganzen stimmt „Driver: San Francisco“ den geneigten Racingfan souverän zufrieden. Dies liegt jedoch insbesondere an den mannigfaltigen Spiel- und den hammermäßigen Online-Modi, sowie dem soliden Fahrgefühl, das bis auf das subjektive Fehlen der Geschwindigkeit, dem altbekannten Driver-Stil alle Ehre macht. Auch das neue Shift-Feature weiß, abseits der wenig glaubwürdigen Geschichte darum, zu gefallen und birgt eine Menge Fun und Action. Dass die Grafik dazu ordentlich in die Schranken gewiesen wurde, ist allerdings mehr als schade und definiert das Spiel nicht minder stark. Auch das ruckelige Pacing, das immer wieder dazu führt, dass der Spieler aus dem turbulenten Racing-Spaß gerissen wird, bleibt am Ende nicht unbemerkt! Doch „Driver: San Francisco“ weiß sich durchzusetzen und kann am Ende durch das Gameplay überzeugen. Und dieses bietet stundenlangen Singleplayer- und schier unendlichen Multiplayerspaß, der Lach- und Heulkrämpfe in Perfektion und nie dagewesener Art und Weise in sich eint!


Die Bilder und das „Driver: San Francisco“-Logo sind Eigentum von Ubisoft. „Driver: San Francisco“ wurde uns freundlicher Weise von Ubisoft zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen unter: www.ubi.com/

Alle Angaben ohne Gewähr.

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