Top Spin 4

Knapp 8 Jahre ist es her, dass 2K Sports im Jahre 2003 erstmals auf den Center Court einlud. Am grundlegenden Prinzip des sportiven Spielerlebnisses hat sich seither kaum etwas geändert. Technische Feinheiten wurden weiter abgestimmt; Details wurden drastisch verbessert, und vor allem die Grafik erlebt mit der neuen Enginge und fantastischen – neuen – Charaktermodellen und Bewegungsabläufen deutlich mehr Realität als noch der Vorgänger – oder sogar andere Genrekollegen. Auch die individuellen Markenzeichen und Verhaltensmuster der jeweilig voreingestellten Pro-Stars – oder eigenen Charaktere – finden hierbei wesentliche Beachtung. Insgesamt lässt sich sagen, dass die Ausarbeitung und Texturdetails der gesamten Pro-Riege, ebenso die Möglichkeiten beim Erstellen eines eigenen Charakters, wunderbar vielfältig und ungemein detailreich sind.

Eine technisch zeitgemäße Präsentation
Und bis auf ein manchmal leichtes Tearing in den oberen Bildbereichen, sowie in den Zwischensequenzen, lässt sich der technisch-optische Eindruck der PlayStation 3-Fassung als weitgehend sauber und absolut modern bezeichnen. Vorliegend in 720p, wirkt das Bild zwar immerzu dezent milchig und leicht diffus, wirklich störend ist dieser stilistische Filter jedoch nie; er fordert jedoch einen leichten Gewöhnmechanismus ab! Die Anordnung des Interface, sowie das Menüdesign entspringen einem punktgenauen, gängigen Gesamtkonzept, das darüber hinaus vollends intuitiv und stets logisch und passend ist. Auch die Atmosphäre des Spiels ist mit seinem Elektropop-Soundtrack und der füllenden Soundkulisse bis in die letzten Winkel stimmig, einladend; zudem nicht fernab der Realität.

Top Spin 4 [Screen] Top Spin 4 [Screen]

Bestaunenswert echt!
Die grandiosen Nachbildungen der Pro-Stars, ehemaliger und aktueller Tennisstars, lässt sich im großen und ganzen als sehr gelungen bezeichnen. In den eindrucksvollen Zwischeneinblendungen, sowie in der Kabine kommt hierbei vor allem die Detailverliebtheit des Entwicklers auffallend positiv zur Geltung. Vom kleinsten Barthaar bis zum schlechten Hautbild; der filigrane Texturkoffer der Entwickler ist ebenso gigantisch, wie stark variierend!

Und auch wenn einige Bewegungsabläufe nicht wirklich routiniert – und teilweise sogar etwas „eckig“ wirken, kann man insgesamt feststellen, dass die Optik an vielen Stellen beeindruckend und referenznah ist. Einzig das steife Publikum, das zwar komplett „ausgeformt“, aber nahezu durchweg statisch wirkt, erscheint in den Zwischensequenzen und Wiederholungen nicht selten befremdlich. Im Spiel selbst fällt dies jedoch nie auf.

Aufbruch in eine neue Saison
„Top Spin 4″ bietet nebst umfangreicher Onlinefunktionen, von denen die meisten zum Zeitpunkt des Tests allerdings – leider – nicht zur Verfügung standen, umfassende Singleplayer- und Offline-Multiplayerfunktionen. Allein der Karriere-Modus, der samt „Create A Pro“ – erneut – die Möglichkeit bietet, einen eigenen Charakter – bis in die Haarspitze genau – zu erstellen, gibt dem Spieler vom ersten Training bis hin zum legendären Grand Slam-Finale das Gefühl, sich individuell ins Spiel einzubringen, und den Aufstieg des Charakters durch persönliche Entscheidungen zu beeinflussen. Die steuerbaren Aufbauphasen, darunter ‚Serve & Volley‘, ‚Grundlinie offensiv und defensiv‘, stehen hierbei spielerisch im Vordergrund. Mit jedem gewonnenen Match erhält der Spieler EP [Erfahrungspunkte], die er nach gut dünken zu Gunsten der jeweiligen Kategorie vergeben darf.

Top Spin 4 [Screen] Top Spin 4 [Screen]

Karriereknick!
Nach Aus- und Aufbau des eigenen Charakters und dessen Skills gilt es, mit diesem dann gegen die besten der Weltrangliste anzutreten, und die Größten der Großen zu in einem sportiven Match herauszufordern. Ein vergnüglicher und teilweise schweißtreibender Kampf! Ein Kampf, der allerdings nicht allzu lange anhält, denn schon nach knapp 8-10 Stunden ist das Ende der Fahnenstange mit dem Sichten des Abspanns erreicht! Zwar ist es durchaus möglich weiterzuspielen; doch wozu? Von spielerischem Anreiz nach Erreichen des Status ‚Legende‘ kann hier kaum die Rede sein, denn ein höheres Ziel, als auf Platz 1 der Rangliste, samt komplettem Ausbau der Fähigkeiten, gibt es in „Top Spin 4″ nicht!

Persönliche Differenzen
An dieser Stelle sei außerdem eines der größten Mankos von „Top Spin 4″ erwähnt! Denn leider verpasst 2K Sports die Möglichkeit, zwei Spielern ein gemeinsames Match mit einem eigenen Charakter zu gewähren. Zwei Spieler – an einer Konsole – sind somit gezwungen, sich mit den Pro-Stars des Games zu vergüngen, anstatt mit eigens erspielten Attributen in den Fight zu ziehen! Kaum vorstellbar, aber leider wahr!

Top Spin 4 [Screen] Top Spin 4 [Screen]

Von der Technik der Zukunft
Mit PlayStation Move schien Tennis endlich „Hand und Fuß“ zu bekommen. Und so warten Videospieler mit Hang zum Tennissport seit Release im September auf die erste, echte Tennissimulation, die dem Anspruch der technisch präzisen und aktuell besten Bewegungssteuerung gerecht wird. Dass der geneigte Move-Spieler von „Top Spin 4″ darauf noch länger warten muss, lässt sich simpel mit zwei Sätzen begründen: … Zum einen wirkt sich die PS Move Integrierung zu unpräzise auf das Gameplay aus, und zum… anderen ist die Verwendung des Navigationscontrollers allzu gewöhnungsbedürftig, um Gelegenheitspieler in ihren Bann zu ziehen! Doch vor allem ersteres wirkt sich entscheidend auf die Beurteilung aus, denn möglicher Weise angedachte Schlagtechniken finden nur eine sehr spärliche Berücksichtigung bei der Übertragung ins Spiel!

Und auch die Integration von 3D fällt im Fall von „Top Spin 4″ eher mager aus. Zu sehr leidet das Spiel unter sogenanntem Ghosting; also sichtbaren 3D-Doppelkonturen,… wodurch die freie Sicht und dadurch das Gameplay maßgeblich beeinträchtigt werden! Teilweise sichtbare Reflektionen stören den Blick aufs Wesentliche außerdem, und sorgen trotz einer eigentlich genüsslichen, räumlichen Bildtiefe für ungebetene Ablenkung.

 

Das Fazit: Ein Schaukampf als spielerischer Höhepunkt?!
„Top Spin 4″ lebt von einer beeindruckend real umgesetzten Dynamik – rund um den kleinen gelben Filzball! Währenddessen das Grundspiel, also die Idee vom Tennisspiel in „Top Spin 4″ abermals zu Höchstleistungen mit außerderordentlicher Kurzweil und technischer Raffinesse einlädt, und das Spiel in Sachen Optik und Detailverliebtheit einen weitgehend aktuellen Zeitgeist widerspiegelt, ist es vor allem der Umfang und der etwas karge Einzelspieler-Anreiz, der die spielerischen Höhepunkte nachträglich negativ abstraft. Die Karriere ist insgesamt gut und herausfordernd, aber deutlich zu knapp bemessen, und reanimiert sich selbst ausschließlich durch sich wiederholende Aufgabenstellungen, die die Motivation spätestens nach dem Ende des zweiten Durchgangs abflachen lassen. Der Party-Modus ‚Tenniskönig‘ ist insgesamt sehr lustig, aber kaum mehr als reine Mitgift und liefert zu wenig Persönlichkeit, um länger am Ball zu bleiben! Und die Tatsache, dass zwei Spieler nicht mit einem eigenen Charakter gegeneinander antreten können, hemmt den Offline-Multiplayer-Spielreiz heftig! Von der schwächelnden PS Move-und 3D-Integration ganz zu schweigen! Und dennoch: „Top Spin 4″ ist in Punkto reines Grundspiel außerordentlich stark, und kann aufgrund brillanter Schlag- und Ballphysik exorbitant punkten, so dass zumindest der Schaukampf – und eventuelle Online-Spiele – den geneigten Gamer mit Sicherheit zum Wiederholungspieler werden lassen. Der einsteigerfreundliche UVP rechtfertigt einen eventuellen Kauf außerdem!


Die Bilder und das „Top Spin 4“-Logo sind Eigentum von 2K Sports. „Top Spin 4″ wurde uns freundlicher Weise von 2K Sports zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen unter: www.2ksports.com

Alle Angaben ohne Gewähr.

Ein Teil des 3D-Testequipments wurde uns freundlicher Weise von Sony zur Verfügung gestellt.