Need For Speed: Hot Pursuit

Die legendären Macher der Burnout-Serie Criterion Games wagen sich im Auftrag von Electronic Arts mit „Need For Speed: Hot Pursuit“, dem 16ten Teil der Rennserie, erstmals an die extrem beliebte und millionenfach verkaufte Action-Rennreihe heran. Dabei lehnt „Need For Speed: Hot Pursuit“ an den gleichnamigen dritten Teil der NFS-Reihe an, und verzichtet von vornherein auf ausufernde spielerische Konzepte, die den üblichen Rennspaß überschreiten. Mit gewohnt fettem Soundtrack, einer herausragenden Präsentation, und ordentlich Nitro im Gepäck, heißt es dann :… „Mitten hinein ins Renn-Vergnügen“!

Eine packende Crime-Story, mit audio-visuell beeindruckenden Zwischensequenzenzen á la NFS: Undercover , bietet „Need For Speed: Hot Pursuit“ nicht…. Im Gegenteil: Die einzigen Zwischensequenzen, die der Spieler im Verlauf zu Gesicht bekommt, sind soweit gut veranschaulichte Tutorial-Videos, die die Spielart und speziellen Eigenschaften der Wagen näher erläutern. Dennoch stehen dem Spieler zwei vollwertige Karrieren zur Verfügung, die zumindest in diesem Punkt spürbaren Spielanreiz schaffen.

Eine Karriere als ‚Cop‘ – von Seacrest, dem fiktiven und großzügig angelegten Spielareal von „Need For Speed: Hot Pursuit“ -, bei der es größtenteils gilt, die offenbar verrückt gewordenen Racer mit allen Mitteln zur Raison zu bringen. Und – natürlich – die Karriere als ebensolcher rücksichtsloser „Racer“, der mit seinem riskanten Fahrverhalten die Straßen von Seacrest unsicher macht, und der die Wagen seiner facettenreichen Palette an Lizenz-Karosserien gern bis zum Anschlag des Tachometers ausfährt.

Need For Speed: Hot Pursuit [Screen] Need For Speed: Hot Pursuit [Screen]

Von fertig aufgetischten Rennboliden
Die Qual der Auto-Wahl überlässt Criterion Games dem Spieler jedoch nicht! Denn „Hot Pursuit“… teilt dem Spieler vor jedem Rennereignis nur eine speziell ausgewählte, meist sehr kleine Gruppe von Boliden zu. Diese ist unterteilt in Sport-, Performance, Exoten und Super-Serie. Erstere bietet Spielern die Möglichkeit, mit sportiven Flitzern wie dem Porsche Boxster Spyder oder einem BMW Z4 sDrive35is, über die Strecken Seacrest’s zu fliegen, währenddessen die Performance-Serie mit schwergewichtigen Bonzenkarossen wie dem BMW M3 E92 oder dem coolen Camaro SS aufwatet. Die Nutzung der Super- und Exoten-Serie ist in jedem Fall der Griff nach den Sternen, und liefert mit echten Unikaten ein 1A-Racing-Feeling.

Die Auswahl der Wagen erscheint dabei wirklich umfassend, und dürfte für jeden Geschmack die passende Karosserie und für jede Strecke die gewünschte Leistung bereithalten. Schade nur, dass der Spieler nicht mehr die Möglichkeit erhält, sich an ein Auto zu gewöhnen oder dieses gar nach Belieben zu tunen. Denn auf Tuning-Features verzichtet der Entwickler – ebenfalls – zur Gänze. Einzig die Farbe darf bei der Auswahl des Wagens noch verändert werden; doch auch dies nur innerhalb einer fest vorgegebenen Palette.

Zusätzlich zu den üblich angezeigten Quartett-Werten der Wagen, die dem Spieler bei der Auswahl die nötigen Infos zu Höchstgeschwindigkeit, PS und Drehmoment liefern, gibt die charmante Stimme einer jungen Dame ausgewählte Hintergrunddetails zur Entstehung des jeweiligen Wagens. Für Autofans ergeben sich hiermit sicherlich interessante, aber für das Spiel – letztlich – unnütze Fakten.

Need For Speed: Hot Pursuit [Screen] Need For Speed: Hot Pursuit [Screen]

Scheinbar grenzenloser Rennspaß!1
Auf der Strecke angekommen, sind die eben erwähnten konzeptionellen Verschlechterungen schnell vergessen, denn dann geht es on-the-fly direkt hinter das Steuer; auf, ins temporeiche Geschehen! In unterschiedlichsten, doch stets bekannten Rennmodi wie ‚Duell‘ [aka Sprint] und ‚Vorschau‘ [ehemals Zeitfahren], oder dem schlichten ‚Rennen‘, gilt es, die Pisten zu rocken und sich vom Rausch der Geschwindigkeit mitziehen zu lassen. Und genau das funktioniert bei „Need For Speed: Hot Pursuit“ perfekt! Das eingängige Fahrgefühl, die Nutzung von Gas, Bremse und ggf. Nitro; all das formt echten, herausfordernden Spielspaß auf den Strecken Seacrest’s!

Darüber hinaus bietet der ‚Hot Pursuit‘-Mode in beiden Karrieren den bekannten Cop/Racer-Fun, der nicht nur für jede Menge Action und brutalste Crashs sorgt, sondern zudem auch immer das eigentliche Rennziel, nämlich trotz aller Widrigkeiten Erster zu werden, abverlangt. Als ‚Cop‘ gibt es zudem noch den ‚Interceptor‘-Mode, der das schnelle Abgreifen von ‚Racern‘ verlangt. Rennerfolge werden nach Abschluss jedes Events im übrigen, in beiden Karrieren, in Kopfgeld umgerechnet, dieses wiederum schalteen bei entsprechend hoher Ansammlung neue Wagen, Strecken oder Gadgets frei, die… bei jeweiligem… Spielstand – mehr oder minder – frei genutzt werden können.

Die Gadgets, damit sind gemeint ‚Nagelbänder‘, ‚EMP‘ und zum Beispiel ‚Störsender‘, sind nützliche und durchaus spaßbringende kleine Ingame-Items, die in brenzligen Momenten für ein bisschen Luft sorgen können. Die extrem begrenzte Anzahl setzt allerdings eine weise Nutzung voraus!

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Sinn und Sinniger! Dumm und Dümmer…
Das passend gestaltete schlichte HUD, sowie die allgemeine Interface- und Menügestaltung, verschaffen dem Spieler stets einen guten Überblick über alle wesentliche Anzeigen. Auch wenn erwähnt sei, dass das neue Autolog-Feature [im Hauptmenü], das letztlich ein Online-Netzwerk darstellt und eigene, sowie die Statistiken der PSN-Freunde auflistet, und das Herausfordern von Online-Gegnern ermöglicht, anfangs etwas unübersichtlich und trivial erscheint. Die Ladezeiten von Menü zum Rennen liegen im übrigen bei knapp 5-10 Sekunden; das erscheint in Anbetracht der grafischen und technischen Geflogenheiten durchaus erträglich und angebracht, möchte man sagen!… 

Wieder mit dabei, aber diesmal zur Gänze sinnbefreit, ist die ‚Freie Fahrt‘. Das ehemals spannende Feature, bei dem die einzelnen Events angefahren werden konnten, der gute alte Unterschlupf oder die Werkstatt besucht werden konnte, und das nicht selten härteste, aber spaßbringendste Verfolgungsjagden mit der Polizei mit sich brachte, verkommt in „Hot Pursuit“ zur reinen Sightseeing-Tour durch das landschaftlich variierende, ansprechend gestaltete Seacrest. Warum die Entwickler indessen auf Cops und damit auf jeglichen Spielspaß im freien Modus verzichtet haben, bleibt fraglich; und dürfte vor allem Fans der Most Wanted-Reihe mehr als nur traurig stimmen! Eine durchführbare Steigerung an Nonsense-Implementierung ist an dieser Stelle kaum denkbar.… 

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Ein Crash vom Ende entfernt
Neu ist zudem, dass „Hot Pursuit“, anders als seine Most Wanted-Vorgänger, eine Art Schadenszustand des Wagens anzeigt, was für die heißen Verfolgungsjagden zwischen Bullerei und Rasern – dem oben erwähnten ‚Hot Pursuit‘-Modus – absolut sinnvoll und von Nöten erscheint, denn schließlich ist es die Aufgabe der Cops, adrenalinsüchtige Racer von der Straße abzudrängen oder gegebenenfalls zu zercrashen, um die Straßensicherheit wieder herzustellen. Die Anzeige leert sich somit bei jedem Crash; jedem Ausrutscher in zu weit ausgefahrenen Kurven oder jedem ‚Ditscher‘ eines Renngegners. Im direkten Vergleich zu anderen „Schadensmodell-Spaßkillern“ wie einst MotorStorm, vertragen die Karosserien von „NFS: Hot Pursuit“ jedoch einiges, und fallen nicht beim Rammen der erstbesten Leitplanke komplett auseinander.

Das – wir nennen es mal – „Schadensmodell“ von „Need For Speed: Hot Pursuit“ wirkt allerdings alles anderes als authentisch und eher wie auf den letzten Drücker in das Spiel integriert. Immerzu fliegen tausend gleiche Kleinteile des Wagens wie Scherben durch die Luft, ohne dass es dem Auto, bis auf eine eingedrückte Frontscheibe, an irgendetwas zu fehlen scheint. Hier verpassen die Entwickler in jedem Fall eine realistisch Ausgestaltung. Und auch wenn Spieler von „NFS: Hot Pursuit“ wohl froh sein dürften, nicht die Knetmassen-Schadensmodelle der Burnout-Serie zu erhalten, wäre ein Mehr an Realität wünschenswert gewesen.

Need For Speed: Hot Pursuit [Screen] Need For Speed: Hot Pursuit [Screen]

Fantastische Aussichten
Dabei setzt die Technik, vor allem in Punkto Physik, Grafik und Fahrgefühl, – eigentlich – echte NFS-Maßstäbe und vermittelt durchweg echtes Racer-Feeling. Die weitgehend dünnbesiedelten Strecken schicken den Spieler nicht selten in die sengende Wüste; führen ihn durch tiefe Schluchten; lassen ihn schwindelerregende Serpentinen hinabfahren, und bringen ihn, samt eines in den Rennen vorher festgelegten Tag- Nachtwechsels, bei Sonne oder Regen auf einsamste Landstraßen… mitten ins… Nichts. Umgeben von absoluter Dunkelheit, mit dem seichten Scheinwerferlicht voraus, gilt es hier besonders vorsichtig und kontrolliert zu fahren, denn vor allem vorausfahrende Auto sind nicht immer sofort zu erkennen. Und Fehler kosten den Spieler, bei nächtlichen Touren, wertvolle Sekunden, die er aufgrund der fordernden KI möglicher weise nicht wieder reinholen kann.

In keinem NFS-Titel waren Gewitter und Regen derart eindrucksvoll inszeniert wie in „Need For Speed: Hot Pursuit“, soviel sei verraten. Auch wenn der Spieler – leider – auf platternde Regentropfen auf der Mattscheibe verzichten muss, ist vor allem die Partikel-Physik von Sand, Schnee und Rauch bzw. Dampf wirklich bemerkenswert, und birgt ein noch realistischeres Abbild der Natur,… dieser ohnehin grandiosen Umgebungen mit sich. Kleine Schnee- und Regenböen, sowie aufwehender Sand in der Wüste markieren immer wieder brillante Aussichten und unvergleichbare Bildkompositionen! Obgleich sich die Fahrgewohnheiten nur bedingt an unterschiedliche Witterungen oder Beständigkeiten des Boden anzupassen scheinen, denn das souveräne Fahrgefühl wird von starkem Regen oder Sand nur marginal beeinflusst!

 

Das Fazit: Adrenalintreibende NFS-Routinen – nicht mehr, nicht weniger!
Gleich zu Beginn von „Need For Speed: Hot Pursuit“ fallen eine ganze Reihe Änderungen im Konzept, im direkten Vergleich zu NFS: Undercover oder der überaus beliebten Most Wanted-Reihe auf. Das Spiel ist an bestimmtem Stellen deutlich abgespeckt. Zwar sind die Rennen für sich genommen immer noch genauso motivierend und schweißtreibend wie seit jeher, doch der spielerische Umfang, abseits des ‚reinen‘ Rennens, fällt merklich geringer aus. Es fehlt die reißerische Action – und somit der Sinn – der ‚Freien Fahrt‘; die optischen und leistungstechnischen Tuning-Optionen in der Werkstatt, sowie die freie Auswahl der Rennwagen, und letztlich ist auch das Fehlen einer Story für die fehlende Tragweite von „NFS: Hot Pursuit“ verantwortlich. Natürlich drückt Criterion Games „Need For Speed“ seinen eigenen Stempel auf. Sehr weit über das Prinzip von Burnout Paradise reicht dieser allerdings nicht hianus! Und das ist schade! Denn die lang gereifte Finesse von NFS zeichnete sich stets durch die Gesamtkomposition… von Arcade-Action-Fun, stimmiger Story und atmosphärischer Dichte, und dem „Kick des Verbotenen“ aus. „Need For Speed: Hot Pursuit“ macht in vielerlei Punkten einen Rückschritt und kann letztlich einzig durch die expliziten Renn-Qualitäten herausragen; denn diese sind nicht nur fesselnd und herausfordernd, sondern sehen dazu auch noch unvergleichlich und atemberaubend schön aus. Die Grafik und ebenso das Streckendesign, setzt NFS-Maßstäbe und kann locker mit dem Offroad-Design eines Motorstorms mithalten. Die vielen verschiedenen und äußerst packenden Rennmodi erlauben dem Spieler zudem stundenlangen, actionreichen Spielspaß; soviel ist sicher! Und das neue ‚Autolog-Feature‘ erlaubt das Messen der eigenen Fahrfähigkeit gegen Spieler aus der ganzen Welt, und motiviert durch PSN-Friendlist-Comparsions, die es immer wieder aufs Neue zu schlagen gilt! Doch darüber hinaus hält „Need For Speed: Hot Pursuit“ nur wenig spielerische Komplexität bereit, und konzentriert seine leistungsstarke technische Kraft einzig auf die Rennen selbst!

Solider NFS-Rennspaß mit vielerlei Abstrichen, coolem Online-Feature und fetter Grafik!


Die Bilder und das „Need For Speed: Hot Pursuit“-Logo sind Eigentum von EA Games. „Need For Speed: Hot Pursuit“ wurde uns freundlicher Weise von EA Games zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen unter: www.needforspeed.com

Alle Angaben ohne Gewähr.
Verfasst von Oliver Erichsen | 01. Dezember 2010