Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn [PS3]

Die letzte Versoftung des überaus beliebten Herr der Ringe-Franchise ist schon eine ganze Weile her, und die Fans der episch-literarischen Fantasy-Saga warten zudem gespannt auf den sicht- und spielbaren NextGen-Sprung der Buch- und Filmreihe – nach J.R.R. Tolkien. Diese Wartezeit hat nun ein Ende! Denn unter der Entwicklung von TT Fusion veröffentlicht Warner Bros. Interactive den ersten Nextgen-Titel unter hauseigener Lizenz, und öffnet mit „Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn“ die weiten Tore Mittelerdes und ein neues Kapitel im Herr der Ringe-Universum – auch für jüngeres Publikum.

Schon auf den ersten Blick erscheint der PlayStation Move-fähige Vollpreistitel, – naja, anders. Denn die Grafik dieses PlayStation 3-Titels lehnt sichtlich an das ursprüngliche Designkonzept der im Vorwege entwickelten Nintendo Wii-Version an, und überrascht mit einer Zelda-ähnlichen Optik, die allerdings dennoch weitgehend natürliche Aspekte, wie sich bewegendes Laub und Gräser, sowie dynamische Lichteffekte beinhaltet. Obgleich erwähnt sei, dass das durchaus hübsche, aber immerzu etwas diffuse Spielerlebnis von technischer Seite her nur bedingt zufriedenstellt. Denn vor allem das ständige Tearing; aber auch etliche Einbrüche in der Framerate mindern die spielerische Qualität nicht wenig. Auch wenn zu sagen bleibt, dass „Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn“ durchweg spielbar bleibt.

Ein würdiger BannerTräger
Der Sound des Spiels, der in vielerlei Hinsicht an die überaus erfolgreiche Filmtrilogie von Peter Jackson anlehnt, wartet mit Auszügen aus dem mehrfach ausgezeichneten Filmsoundtrack, altbekannten Audiosnippets, und stets passend gesprochenen neuen… Off-Kommentaren und Dialogen auf, die zwar für sich genommen nicht immer übereinstimmen – oder sinnvoll… sind; sich aber ins Gesamtkonzept der soliden atmosphärischen Präsentation und Aufmachung gut einfügen. Vor allem die hochwertige Synchronisation von Sean Astin (im deutschen gesprochen von Patrick Bach) ist bemerkenswert.

Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn [Screen] Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn [Screen]

Auch die Implementierung von PlayStation Move darf, trotz der wenig variantenreichen Schlagmöglichkeiten, als gelungen und – größtenteils – funktionierend bezeichnet werden. Vor allem die reine Schlagtechnik, abseits von Schild- Spezial- und Fernangriffen ist souverän und gefühlt homogen. Bewegungen -… wie hoch, runter oder seitwärts, umfassen dabei das ganze Spektrum der Möglichkeiten, werden aber dafür zu über 95% korrekt erkannt und haben eine entsprechend physikalische Auswirkung auf etwaige Gegner. Neben der Nutzung von PlayStation Move ist außerdem auch die Nutzung des DualShock III möglich; womit „Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn“ alle Spieler der PlayStation 3-Community erreichen kann.

Der Weg nach Mordor führt durchs Auenland,“¦ immer und immer wieder.
Das Gameplay von „Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn“ wird durch mehrere Faktoren definiert. Zum einen gilt es zu Beginn, und immer wieder auch im weiteren Verlauf des Spiels, den Weg des jungen Hobbit ‚Frodo Gamdschie’… quer durch das Auenland mit seinen Wäldern, Wiesen und Flüssen zu beschreiten, und dabei kleinere „Hol- und Bring“-Quests zu erledigen. Was anfangs durchaus spaßig und niedlich erscheint, verliert allerdings mit zunehmender Laufzeit – und dem Wiederholen der unumgänglichen Auenland-Sequenzen – merklich an Spielreiz. Dies liegt größtenteils daran, dass die Hauptaufgaben sich lediglich im Detail unterscheiden; die Aufgabe selbst aber stets die gleiche ist. Und ob große oder kleine Pilze, Gemüse zerschlagen oder Raben abschießen; Abwechslung sucht man hier vergebens.

Frodos Reise
Nebst der somit – leider – eher öden „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Quests, wie ‚Sammle Pilze‘ und ‚Finde alle versteckten Vasen‘,… ‚Zerschlage für A und B ein oder zwei X und Y’s, und hole Dir dann deine Belohnung‘ erscheint das imaginäre Nachspielen von Frodo Beutlins legendären Erlebnissen des großen Ringkrieges deutlich spaßiger und spannender. Hierbei wird der Spieler von anderen jungen Hobbits des Auenlands, inmitten der festlichen Vorbereitungen für den großen Besuch König ‚Aragorns‘, zu kurzen spielerischen Herausforderungen eingeladen; wie beispielsweise das Erklimmen des Schicksalsberges, ohne von Saurons bösem Blick erfasst zu werden. Auch der Kampf gegen die Riesenspinne ‚Kankra‘ wirkt auflockernd und… durchaus unterhaltend.

Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn [Screen] Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn [Screen]

Über die zu… verdienenden Taler, eventuell zu erhaltenen Trophäen, und einer insgesamt wenig mannigfaltigen Kurzweil, reichen die Aufgaben der Auenland-Missionen jedoch nur schwer hinaus.

Mit Schwert und Schild! РHeldenmut der N̼menor
Doch außerhalb der – relativ – sicheren grünen Wiesen des Auenlands, und abseits der jungen Hobbits macht das Game seinem Titelhelden…  ‚Aragorn‘ – und dem weisen Kauz ‚Gandalf‘ – in jeder Form alle Ehre…. Für Aragorn – der durch Gandalf unterstützt werden kann – gilt es, sich in einer Nacherzählung Sam Gamdschies, auf dem beschwerlichen und abenteuerlichen Weg Streichers bis hin zum Tor von Mordor durchzuschlagen.

Bis zu zwei Spieler haben die abenteuerliche Möglichkeit, per PlayStation Move oder DualShock III Mittelerde zu rocken. Von Bree bis zum Morannon, dem schwarzen Tor von Mordor, eröffnen sich dem geneigten Spieler – bzw. beiden Spielern – hierbei weitläufige, abwechslungsreich aussehende Levelareale, die mit viel Liebe zum Detail, vielen stimmigen Kleinigkeiten und viel Nähe zur Originalvorlage ausgestaltet wurden.

Die weiten Mittelerdes
In den großzügig angelegten Arealen trifft der Spieler indessen auf ganze Hunderschaften… leicht… besiegbarer Gegnerbrut. Darunter Orks, Goblins, Trolle, Spinnen, wilde Menschen und sogar Nazgul. Doch einzig letztere fordern dem Spieler ein wenig spielerisches Geschick bzw. taktisches Vorgehen ab. Der Rest darf mit scharfer Klinge, spitzen Pfeilen und einer gehörigen Portion… von Gandalf’s Zauberkraft, und – natürlich – dem PlayStation Move Controller (oder DualShock III) einfach niedergemetzelt werden. Schlachtgefühl und Melee-Kombat… pur!

Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn [Screen] Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn [Screen]

Doch auch kleinere Quests, die allerdings alles andere als fair auf den Karten angeordnet sind, gibt es im Verlauf zu erledigen. Die meisten davon sind abermals „Hol- und Bring-Quest“ der Sorte ‚Renn von A nach B, kehre dann zu A zurück, und frage C, was Du bei D abschließend erledigen kannst‘. TT Fusion legt hiermit das Augenmerk klar auf den Actionanteil des Spiels, mehr als auf umfangreiche RPG-Elemente oder tiefgreifende Questreihen. Auch wenn in den ‚zig versteckten Kisten der einzelnen Levelabschnitte immer wieder nützliche Artefakte, Gesundheit und/oder dauerhafte Skillverbesserungen zu finden sind,… diese so für einen weiteren Spielanreiz sorgen, und einige wenige spezielle Quests des Spiels darüber hinaus wirklich kurzweilig sind.

Gebieter über die Flamme von Arnor! – Ein würdiger Nebenbuhler
Gandalf’s „Funktionen“ unterscheiden sich von Aragorn’s Schwert- und Schildattacken insoweit, als dass der Spieler neben der wichtigen Aufgabe, auf Aragorn’s Gesundheit zu achten – und diesen ggf. zu heilen, diesen machtvollen Zauber anwenden kann. Diese sehen nicht nur überaus cool aus, sondern sind zudem überaus effektiv. Aufgrund entstehender Dynamik darf… daher mit Fug und Recht behauptet werden, dass der 2 Spieler-Koop durch die Kombination beider Spielfiguren und kämpferischen Aspekte schlichtweg erheiternd und besonders lohnenswert ist. Obgleich visuell eingeschränkt durch die nicht bewegliche, aber stets gut ausgerichtete Kameraperspektive, gibt es schließlich nichts schöneres, als mit Freunden und Familie gegen die Schergen Mittelerdes anzutreten. Sich zu messen; sich zu helfen. Und in der Stunde der Not Taten zu vollbringen, die das Antlitz Ardas für immer verändern.… 

„Ich weiß nicht mehr, wie Wasser schmeckt“¦“ – Handicaps
Doch eines noch: Eines der größten Mankos von „Die Abenteuer von Aragorn“ liegt nicht im Gameplay verborgen oder in der Grafik, sondern ist im Handling zu finden. Währenddessen die Bedienung intuitiv und das Menü zwar träge, aber sinnvoll angelegt ist, ist es das Fehlen des freien Speicherns – innerhalb eines Kapitels -, ein Fakt, der Aragorn’s Abenteuer wertvolle Punkte kostet! Eine kurze Reise nach Mittelerde ist somit fast unmöglich. Der Spieler wird gezwungen, sich entweder ordentlich Zeit zu nehmen, oder auf seinen Fortschritt im Fall des vorzeitigen Beendens zu verzichten. Denn die Autospeicher-Funktion speichert lediglich nach dem Erreichen des Kapitelendes. Eine Spielkonzept-Sünde, die auch durch die kurzen Ladezeiten und die knapp 15-stündige Spielzeit nur schwer wett gemacht werden kann.

 

Das Fazit: Ein Konzept, sich immer zu wiederholen!
„Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn“ auf PlayStation 3 ist abseits der kleinen und großen Gameplay-Mankos und technischen Unausgewogenheiten wie Tearing, und der fehlenden Speicheroptionen insgesamt dennoch funny; Und im Vergleich zu ehemaligen Spielen des Franchise, oder auch im direkten Vergleich zur PSP-Version, eher leicht und locker, als etwa kriegerisch, tiefgründig oder gar herausfordernd. Das „Niedermetzeln“ von Nazgul und Co. macht dank PlayStation Move Motion-Controller und vor allem im 2 Spieler-Koop einfach Spaß, und ist aufgrund der simplifizierten Kampfdynamik darüber hinaus kinderleicht zu erlernen. Womit der Kern letztlich erfasst ist! Das Spiel richtet sich, wie bereits zu Anbeginn der Entwicklungsarbeiten von Warner Bros. Interactive angekündigt, an ein jüngeres Publikum, das abenteuerlichen Zeitvertreib im größten Fantasyepos aller Zeiten sucht. Ob diesem Publikum in all den wunderschönen Levelarealen allerdings entgeht, dass sich das Spiel vom ersten bis zum letzten Level im Kreis dreht, darf dennoch bezweifelt werden. Doch abseits dessen wirken „Die Abenteuer von Aragorn“ dafür umso zugänglicher; und nicht selten sogar spielmotivierend! Und allein die Tatsache, endlich mal nach Mittelerde zurückkehren zu dürfen, birgt Hoffnung! Hoffnung, und das sichere Gefühl, dass „Der Krieg im Norden“, der neue Arbeitstitel von Warner Bros. Interactive, diesen spürbaren Wii-Port bei weitem überflügeln wird!

Einfach & stets wiederholend. Aber dennoch actionreich und alle mal… spaßbringend! Außerdem mit einem tollen Koop-Modus! Für geduldige Herr der Ringe-Fans mit Hack n Slay-Neigung!


Cover-Artwork und Bilder sind Eigentum von Warner Bros. Interactive. Dieser Titel wurde uns freundlicher Weise von Warner Bros. Interactive zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen unter www.aragornsquest.com/

Alle Angaben ohne Gewähr.
Verfasst von Oliver Erichsen | 01. Dezember 2010