Lara Croft And The Guardian Of Light

Genau 14 Jahre sind vergangen, seit im Winter 1996 eine dunkelhaarige Schönheit mit Pferdeschwanz, prallem Dekolleté, grünem Body, braunen Hotpants, einem kleinen Rucksack auf den schmalen Schultern, und mit zwei schlagkräftigen Argumenten in ihren Fäusten; zwei 9mm-Pistolen des Typs Browning HP, durch die Gräber der Antike zog, um das sagenumwobene Scion von Atlantis zu finden. Die Rede ist natürlich von ‚Lara Croft‘; der bekanntesten und unangefochten sexy’sten… Videospielheldin aller Zeiten.

Nach all den Jahren der unermüdlichen Grabräubereien der ‚guten alten‘ Miss Croft, kehrt diese, in komplett neuem Gewand, mit einer Art Spin-Off; einem Ableger der Originalreihe, in ihrem ersten Multiplayer-Arcade-Game auf die Bildschirme der Videospiellandschaft zurück, und schießt sich in „Lara Croft And The Guardian Of Light“ abermals durch die Ruinen vergessener Kulturen. Muss herausfordernde Schiebe-, Schalter- und Mechanik-Rätsel lösen, gegen ausgediente Götter antreten, und die Welt – natürlich – erneut vor dem Untergang bewahren.

Wie in alten Zeiten
Das Team von Crystal Dynamics erschafft mit „Lara Croft And The Guardian Of Light“ wahrlich einen echten Hingucker; einen überwältigenden Augenöffner, der nicht nur durchweg den Charme und den Geist der Originalreihe versprüht, sondern allumfassend, mit einem perfekt abgestimmten Konzept knapp über 10 Stunden berauschend zu unterhalten weiß. Darüber hinaus unterstreicht der Soundtrack des letzten Teils – Tomb Raider: Underworld –, sowie die deutsche und englische Originalstimme von ‚Lara‘, und die altbekannt geniale Soundkulisse der Spielreihe das ohnehin atmosphärische Geschehen eindrucksvoll.

Lara Croft And The Guardian Of Light [Screen] Lara Croft And The Guardian Of Light [Screen]

Die augenscheinlich auffälligste Veränderung dürfte in jedem Fall die fest installierte und nicht änderbare, aber durchweg grandios platzierte, isometrische Kameraführung sein, die das turbulente und actionreiche Treiben aus einer entfernten Vogelperspektive zeigt, und so für eine gute Übersicht und bestaunenswerte Eindrücke sorgt. Denn die atemberaubenden Perspektiven, die sich dem Spieler mit dieser ungemein zeigefreudigen Sicht auftun, sobald ‚Lara‘ den höchsten Punkt eines jeden Levels erreicht hat, sind schlichtweg atemberaubend. Hier kommt erneut zur Geltung, was ohnehin bereits von der ersten Spielminute an klar ist: „Lara Croft And The Guardian Of Light“ ist brillant!

Grandiose Grafikkost
Es ist… zudem ein… grafisches Meisterwerk, das nicht nur technisch zeitgemäß, sondern thematisch unglaublich stilvoll und atmosphärisch arrangiert wurde. Mit einer ganzen Bandbreite… physikalischer Effekte und wundersamer Kompositionen eben dieser; allem voran in Punkto Wasser, Feuer, Licht und Dampf, sowie einer allgemein natürlichen Dynamik und Lebendigkeit der Umgebungen, strotzt „Lara Croft And The Guardian Of Light“ vor Moderne und Schönheit gleichermaßen. Ob sengende Hitze, herunterfallende Lavabrocken, glühende Feuerfunken, herabrieselnder Sand, prasselnder Regen, dichter Nebel oder ein Schwarm Glühwürmchen, das im letzten Licht des Tages um die Früchte eines Baumes schwirrt: „Lara Croft And The Guardian Of Light“ beeindruckt durch feinste Einzelheiten, die die Atmosphäre verdichten und das Spielgefühl auf Anhieb maximieren.

Dazu verfügen die detail- und tiefenscharfen Texturen über komplexe Shadermodelle und sorgen mit einer authentischen Oberflächenvielfalt für optische Abwechslung. Ob Gemäuer, Statuen, Bodentexturen oder Wandmalereien; das Entwicklerstudio macht keine halben Sachen und lädt zum Staunen ein. Und die weitgehend fließenden Animationen der Spielfiguren und Gegner, sowie die zeitgemäßen Zwischensequenzen, die die Handlung vorantreiben und mit der technischen Präsentation von Tomb Raider: Underworld aufwarten können, runden dieses allumfassende Gemälde in hochwertiger Qualität ab.

Lara Croft And The Guardian Of Light [Screen] Lara Croft And The Guardian Of Light [Screen]

Zwar sind sowohl in der Xbox 360-Fassung, als auch in der PlayStation 3-Version in den Zwischensequenzen leichte Pixelschatten erkennbar; wirklich störend wirkt dieses dezente Manko jedoch nie.

Xbox 360 oder PS3?
Da erscheint es bedeutend unangenehmer, dass die PS3-Fassung immer wieder, vor allem, wenn ‚Lara‘ sich in der Nähe von Fackeln oder anderen dynamischen Lichtquellen aufhält, zu starkem, kurzzeitigem Ruckeln; also merklichen Einbrüchen der Framerate neigt. Auch beim Erreichen von Kontrollpunkten kann dieses kurze Ruckeln kurzzeitig merklich festgestellt werden. Ein etwas spaßtrübendes Ergebnis, das rein technisch unnötig gewesen wäre und hoffentlich noch gepatcht wird. Die Xbox 360-Version spielt sich dagegen durchgehend, und ohne den kleinsten Verzieher, butterweich und kann, bei genauer Betrachtung sogar mit ein wenig mehr Detail- und Tiefenschärfe glänzen. Markant auffällige oder gar spieleinschränkende technische Fehler oder Bugs, weisen keine der beiden Fassungen auf, womit abschließend festzustellen bleibt, dass die PS3-Fassung zwar über ein Stück weit weniger technischen Feinschliff verfügt, aber deswegen keinesfalls minderwertiger ist! Beide Fassung können, abhängig von der eigenen Konsolen-Vorliebe, wärmstens empfohlen werden.

Das Arcade-Mädchen
In Punkto Gameplay, und das überragt bei weitem alles bisher geschriebene, unterscheidet sich „Lara Croft And The Guardian Of Light“ vom üblichen Tomb Raider äußerst bemerkenswert. Das Entwicklerstudio setzt zwar erneut markante Akzente in Sachen schießwütige Action und knackige Adventureparts, erweitert das Spiel aber um den Faktor X; das in diesem Fall für eine Mehrspieler-Arcade-Erfahrung steht. Das bedeutet, dass ‚Miss Croft‘ sich fortan auf das Sammeln von Punkten und speziellen Items, sowie… dem Erreichen bestimmter Ziele und Erledigen bestimmter Aufgaben verschrieben hat! Und diese sind, mal ganz abgesehen von… den teils extrem knappen Zeitspielen, unglaublich funbringend, extrem motivierend und laden zum freudigen Durch- und Wiederspielen ein!

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Sammelsucht
Dabei gibt es für jeden erledigten Gegner Punkte; doch auch das Einsammeln von kleinen, funkelnden Diamanten, die in allen Leveln – mehr oder minder sichtbar – auf den linearen Wegen des Spiels herumliegen, sorgen für eine pralle Punkt-Kasse. Die ’speziellen‘ Items stellen schon eher eine Herausforderung dar, und können sowohl Waffen und PowerUps, als auch sammelbare ‚rote Schädel‘ sein, die ausschließlich – an meist auf den ersten Blick – versteckten Orten zu finden sind.

Weitere ’spezielle‘ Items sind Artefakte. Denn mit diesen lassen sich Verbesserungen und Leistungssteigerungen der Spielfiguren vornehmen. So kann beispielsweise das Lauftempo, die Waffenstärke oder aber auch die Verteidigung… sowie der Wirkradius einer Bombe durch das Verwenden von maximal zwei gleichzeitig nutzbaren, der insgesamt 40 (!!!) Artefakte dauerhaft zum Positiven verändert werden. Es sei allerdings erwähnt, dass manche Artefakte nicht bloß eine positive Wirkung haben, sondern sich auch negativ auf andere Befähigungen auswirken können.

Ein Stab,“¦ sie alle zu verbessern.
Des Weiteren gibt es Reliquien, die ebenfalls für einen besonderen Zweck genutzt werden können. Doch dazu ist es nötig, zu wissen, dass „Lara Croft And The Guardian Of Light“ nebst Energie- und Munitionsanzeige auch über eine Poweranzeige verfügt. Diese lädt sich, im Fall der umsichtigen Verteidigung im Kampf, kontinuierlich auf, bis ein Perfekt-Modus ermöglicht wird, bei dessen Wirkung die ausgewählte Reliquie effektiv zum Tragen kommen. Die Wirkung kann eine massive Steigerung der Waffenkraft sein, eine Streuung des Schusses, automatische Heilung oder Munitionierung, oder ein Mix aus verschiedenen Komponenten. Mit der Kombination Perfekt-Modus und einer der insgesamt 20 im Spiel erhältlichen Reliquien, verfügt der Spieler solange über die besondere Macht, bis seine Figur verletzt wird oder stirbt.

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Mit roher Waffengewalt
Herumstehende zerbrechliche Vasen, Holzkisten oder zerbrochene Gräber enthalten zudem nicht selten weitere Möglichkeiten auf… Punkte, die eventuell angeschlagene Gesundheit oder die eigentlich im Überfluss vorhandene Munition aufzufüllen. Es sei erwähnt, dass Letzteres bei ‚Laras‘ Pistolen-Duo – wie immer – unbegrenzt vorhanden ist. Lediglich für alle anderen 28 (!!!) Waffen wird ein aufgeladener Munitions-Balken benötigt! Im übrigen lässt sich feststellen, dass sich die Mini-Gun ungleich schneller entlädt als der Granatwerfer, der Flammenwerfer, die Uzis oder das Sturmgewehr; wenngleich sich auch das Ableben der Gegner mit diesen ungleich schneller herbeiführen lässt.… 

Lara als Multiplayer-Titel. Einfach genial!
Jetzt nach Veröffentlichung, ist es kaum zu glauben, wie groß die Skepsis der Fangemeinde bezüglich des Multiplayer-Part’s zu Zeiten der Ankündigung von „Lara Croft And The Guardian Of Light“ allseits zu vernehmen war. Doch wer würde sich dafür nun noch tadeln? Schließlich sorgten in der Vergangenheit andere große Spielreihen für ein meist enttäuschendes, seelenloses Offline- und Onlinegemetzel sondergleichen; und die Tomb Raider-Reihe gehörte von Anfang an und (scheinbar) unabdingbar dem Einzelspieler! Doch nun, mit einem wahrhaft ausgegorenen, genialen Koop-Mode, fegt Crystal Dynamics alle vorangegangenen Zweifel und starren Ideologien mit einem Wisch weg und begeistert durch pure Unterhaltung und sinngemäße Konzeptumsetzung, die den Geist des Spiels – und der ganzen Reihe – nicht nur beibehält, sondern um ein Vielfaches intensiviert und beflügelt!

Das heißt, dass die gute ‚Lara‘ in diesem Abenteuer, erstmals seit ‚Kurtis Trent‘ [aus Tomb Raider: Angel Of Darkness] einen Erfüllungsgehilfen als Verstärkung an ihre Seite gestellt bekam! ‚Totec‘, ein Krieger aus der alten Zeit, ausgestattet mit magischen Speerkünsten, der gemeinsam im expliziten Mehrspielermodus mit ‚Lara‘ versucht, den entflohenen Schlächter der Unterwelt – namens ‚Xolotl‘ – wieder hinter die Gitter seines steinernen Gefängnisses zu sperren. Und eines sei hier aufs deutlichste erwähnt: Dieser himmlische Koop-Modus, der weit über das bloße Einsteigen eines anderen – oder in anderen Koop-Games letztlich unwichtigen – Charakters hinausgeht, belebt…  „Lara Croft And The Guardian Of Light“ abermals mit Qualität, und stellt nochmals mit Nachdruck die Kreativität des Entwicklerstudios äußerst ideenreich unter Beweis; Auch wenn ein DropIn während des Spiels leider nicht möglich ist.

Lara Croft And The Guardian Of Light [Screen] Lara Croft And The Guardian Of Light [Screen]

Koop-Gameplay in Reinkultur
Das durch den Koop-Modus überaus herausfordernde Zusammenspiel beider Spieler, des derzeit leider nur offlinefähigen Multiplayerparts, muss auch abseits der actionreichen und gelungenen ShootOuts perfekt aufeinander abgestimmt sein, um ein Vorankommen innerhalb der insgesamt 14 Level und das Meistern der knackigen Rätsel sicherzustellen. Denn währenddessen ‚Lara‘ sich mit den Künsten des Enterhakens nur allzu gut auskennt, sind ‚Totecs‘ Speer- und Schildkünste unabdingbar, um höher gelegenere Ziele zu erreichen. Denn nur ‚Lara‘ kann auf die Speere oder den Schild ‚Totecs‘ springen, um von dort aus höhere Ebenen oder Ziele zu erreichen. Gegebenfalls muss sie ihren spärlich bekleideten Freund und Helfer von der höheren Ebene aus mit dem Enterhaken am metallischem Schild packen und hochziehen! Darüber hinaus kann ‚Totec‘ die mit ihrem grünen Body und der braunen Hotpants eher ungeschützte ‚Lara‘, mit dem Schild vor herumfliegenden Pfeilen oder magischen Angriffen, der abwechslungsreichen und im Verlauf stets härter werdenden Gegnerschaft schützen. Die durch die ausgewählte „Rollenverteilung“ entstehende Dynamik des Koop-Parts ist ungemein spaßbringend und geradezu revolutionär!

Allein, allein“¦
Im Einzelspieler-Modus spielt man übrigens ausschließlich als ‚Lara‘. Zu Beginn des Spiels übergibt ‚Totec‘ aber seine magischen Speerkünste an ‚Lara‘, damit auch sie allein den steinigen Weg… des Schicksals meistern kann. Indessen ändert sich der Spielverlauf – und teilweise auch die Levelstruktur – abermals spürbar, und hält durch den Singleplay-Part andere spielerische Herausforderungen für den Gamer bereit.

Spielt sich wie von selbst
Hinzu kommt, dass sowohl in der Einzelspieler-Kampagne, als auch in der Mehrspieler-Erfahrung das Handling des gesamten Titels einfach grandios ist. „Lara Croft And The Guardian Of Light“ spielt sich absolut selbsterklärend, und weist mit kleinen Tutorial-Bildern und Hinweistexten auf die spielerischen Möglichkeiten hin, die sich im Laufe des Spiels erweitern. Auch die Menü- und Interfacegestaltung ist schön und schlicht zugleich; so dass für Änderungen in den Einstellungen oder… Erweiterungen der eigenen Skills keine langen Orientierungsphasen von Nöten sind. Alles ist auf einen Blick verfügbar. Alles ist von Anfang an spielbar!

 

Das Fazit: „I’m sooooooo addicted…“
„Lara Croft And The Guardian Of Light“ ist ein echter Burner! Einer der Gaming-Höhepunkte diesen Jahres. Und eine grandiose Erweiterung der Tomb Raider-Reihe; Und lebendige, fast unbeschreiblich perfekte Bereicherung des Arcade-Horizonts. Die gesamte Präsentation; dazu zählen sowohl die technisch-optische Brillanz, als auch die Sound- und Gameplaygestaltung, sind schlichtweg hitverdächtig;… in sich perfekt abgestimmt, und… sorgen trotz der eher zweckdienlichen Hauptgeschichte für ein fantastisches Spielerlebnis, das mit seiner dichten Atmosphäre nicht selten an die Anfänge der Originalreihe erinnert. Dazu kommen actionreiche ShootOuts, wahrlich knackige Tomb Raider-Rätsel und spielmotivierende Arcade-Challenges, die dank der 100% zugänglichen Steuerung und der fairen Checkpoints den schnellen Einstieg und das antreibende Spielgefühl von „Lara Croft And The Guardian Of Light“ sichern. Und mit dem integrierten Offline-Multiplayer, und dem angekündigten Online-Modus, der leider erneut verschoben wurde, wird „Lara Croft And The Guardian Of Light“ zu einem glatten 10-Punkte-Hit; ohne (nennenswerte) Eckpunkte! Einfach superb.

Ein epischer Must Have-Arcade-Titel für jeden Zocker! Wahrlich eine Offenbarung!


Die Bilder und das „Lara Croft And The Guardian Of Light“-Logo sind Eigentum von Square Enix. „Lara Croft And The Guardian Of Light“ wurde uns freundlicher Weise von Square Enix GmbH zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen unter: www.laracroftandtheguardianoflight.com

Alle Angaben ohne Gewähr.
Verfasst von Oliver Erichsen | 11. Oktober 2010