Resident Evil 5: Gold Edition

Kaum ein anderes Gamingfranchise steht Zeit seines Lebens mehr…  für qualitativen Videospiel-Horror, als das berühmt-berüchtigte „Resident Evil“ – aus dem Hause Capcom, das im Jahr 1996 erstmals über die Bildschirme der Videospielewelt flimmerte. Seit Anbeginn dieser Zeit bietet die Spielereihe seinem Spieler regelmäßig eine tadellose Inszenierung, fordert ihn mit einem knackigen Schwierigkeitsgrad, und entlässt ihn in eine unvergleichbare Atmosphäre, die damals wie heute Hauptbestandteil und zudem Markenzeichen der Serie ist. Und nach dem kommerziell erfolgreichen Re-Design der Serie, mit dem sich Teil 4 damals erstmalig vom klassischen Survival-Horror der ersten Stunde loslöste, und sich durch eine actiongeprägte Aufmachung, eine massive Änderung des Kamerasystems, und einem wesentlich strafferen Spielablauf auszeichnete, liefert Capcom dem geneigten Spieler mit dem fünften Teil einen, in Bezug auf den direkten Vorgänger, konsequent actionorientierten Horrortrip der Resident Evil-Klasse.

Racoon City. Pueblo. Kijuju.
Die stramme Storyline des fünften Teils setzt dabei einige Jahre nach dem vierten Teil ein, und stellt das ehemalige S.T.A.R.S.-Mitglied ‚Chris Redfield‘, der nun der Anti-Bioterror-Einheit B.S.A.A. verschrieben ist, erneut ins Fadenkreuz mächtiger Hintermänner und einer abermals mutierten Bevölkerung, die ‚Chris‘ und seiner neuen Partnerin – ‚Sheva Alomar‘ – ordentlich zu Leibe rückt. Allem voran gilt es, dies natürlich zu verhindern und dank der mitreißenden, spielmotivierenden Story die Hintergründe des ‚Uroboros‘-Virus und dessen Ausbruch in Zentralafrika aufzudecken; und die Verantwortlichen zu Fall zu bringen…. 

Und während der knapp 10-12 stündigen Odyssee des Grauens offenbart sich zudem ein gut verflochtenes Netz loser „Fäden“ der Vorgängerteile, die überaus rühmlich und logisch zusammengeführt werden. Taktgebend erzählt, und mit einem schier biblischen Ausmaß, setzt sich die erschreckende Geschichte von „Resident Evil“ im ganz großen Stil… – seiner Vorgänger – fort.

Resident Evil 5: Gold Edition [Screen] Resident Evil 5: Gold Edition [Screen]

Ein visuelles Erlebnis
Capcoms anfängliches Versprechen, dass „Resident Evil 5″ technische Maßstäbe neu definieren wird, hält das japanische Entwicklerstudio bis ins letzte. Sämtliche ausgediente grafische Techniken der alten Generation verfrachtet das Studio in die untersten Etagen des ‚Hive‘ und erklärt „Resident Evil 5″ damit zu einem der [nicht nur] optisch maßgebendsten Spiele dieser Zeit. Die Nutzung modernster Engines formen dabei ein visuelles Erlebnis, das seine Spielerschaft wahrlich mit einer eindringlich fantastischen Grafik fasziniert, die selbst in den harten Zeiten des vergleichsweise schnell programmierten „Uncharted 2″ Bestand hat, und vor allem in Bezug auf die Klarheit der Komposition dies sogar noch übertrifft. Durch komplexe Shadertechniken, vornehmlich tiefenscharfe Texturen, ein unvergleichbares dynamisches Lighting und einer Witterungs- und Umgebungslebhaftigkeit, die eine hohe Natürlichkeit ausstrahlt, gelingt dem Entwicklerstudio ein exzellenter grafischer Wurf…. 

Dabei ist es allerdings auch das großartige Leveldesign, das die famosen und minutiös ausgearbeiteten Umgebungen atemberaubend erscheinen lässt. Die Vielzahl der dynamischen Komponenten, die das Spiel zu einer lebendigen Welt machen, und die filmreife Inszenierung; mitsamt der spektakulären, stets cineastischen Effekte und packenden Sights, machen „RE 5: Gold Edition“ zum absoluten Entertainment-Produkt. Capcom kennt sich aus, und beweist das erlernte Fingerspitzengefühl in der gesamten Präsentation, die sich auch in der brillanten akustischen Untermalung des Titels wiederfindet. Sowohl das herausragende Sounddesign, als auch der unheilvolle Soundtrack laden zu einem rundum stimmigen Spielvergnügen ein, das alle Sinne berauscht.

Resident Evil 5: Gold Edition [Screen] Resident Evil 5: Gold Edition [Screen]

T-Virus, Las Plagas, Uroboros.
Die unbändige, allgegenwärtige Kraft und Brillanz der grafisch-technischen Schöpfung ist dabei punktgenau, und immer wieder sagenhaft; auch wenn der Spieler aufgrund der zahlreich aufgebrachten Majini-Stämme – beim ersten Durchspielen – eher selten dazu kommt, die einzelnen Areale in vollen Zügen zu genießen. Erst in späteren Durchläufen entfaltet sich die ganze Macht der Optik, bei der höchstens mal die Schatten für kurzzeitige Skurrilitäten sorgen: Wenn diese manchmal aus dem Nichts auftauchen oder leicht flimmernd verpixelt erscheinen; bleibt der Gesamteindruck doch unangetastet davon.

Kein Zeit für Gänsehaut,“¦ Es gilt schließlich den Terror zu bekämpfen!
Der bewusst untersaturierte Look des Spiels verdeutlicht zudem die hart definierte Grauzone der gigantischen Storyline, die hinter fast jeder Ecke und Tür Gefahren und unerwartete Wendungen birgt. Überall lauert die infizierte Meute, die sich danach verschlingt, ‚Chris‘ und seine schöne Partnerin ‚Sheva‘ zu übermannen und sich dem Willen des innewohnenden Parasiten vollends zu ergeben. Und „Übermannen“ scheint hierbei genau das richtige Wort: Denn „Resident Evil 5″ lässt sich am besten als reiner 3rd-Person-Skooter der besonders gehaltvollen Art bezeichnen, dessen ehemals subtiles, beängstigendes Spieldesign durch eine eher kriegerische Konfliktbewältigung ersetzt wurde…. 

Der besobdere „Kick“ der Inszenierung bleibt zwar weitgehend erhalten, doch echte Schockmomente oder wahres Gänsehautfeeling sind, zumindest im Hauptspiel, an einer Hand abgezählt. Ob der Austragungsort ‚Afrika‘ dabei eine Rolle spielt, bleibt fraglich, obgleich auch die Mittagssonne das vorherrschend offensichtliche Grauen kaum abzumildern vermag. Lange, stille Korridore, quietschende Türen, die Suche nach Gegenständen zur Weg- und Lösungsfindung, und der ein oder andere unerwartete Gegner fallen in diesem fünften Abenteuer jedenfalls (fast) zur Gänze weg, womit lediglich das antreibende Gefühl der Hatz und der Verteidigung, aber vor allem die pralle Action übrig bleiben…. 

Resident Evil 5: Gold Edition [Screen] Resident Evil 5: Gold Edition [Screen]

Da geh ich nich‘ allein rein
Nebst der – erneut – genreübergreifenden Veränderung des Spielablaufs, das damit leider nur wenige Rätsel- oder Sammeleinlagen beinhaltet, und damit kaum als Survival-Horror zu identifizieren ist, erlebt der Spieler in „Resident Evil 5″ eine weitere überaus coole, markante Änderung im Spielprinzip, die bis dato ausschließlich im Nintendo-Exklusiven „Resident Evil: Zero“ vorkam; Die Wiedereinführung eines, in diesem Fall allerdings nicht abwechselnd spielbaren, aber stets beiwohnenden Koop-Partners, der zudem, bei vorheriger Anpassung der Spieloption, entweder automatisch durch die intelligente und sehr gut funktionierende KI oder aber auch durch einen Offline- oder Online-Partner gesteuert werden kann…. Alle Varianten funktionieren hierbei tadellos und sind in Bezug auf die umfangreichen Multiplayer-Optionen eine wahre Offenbarung – ohnegleichen!

Der ggf. künstliche gesteuerte Koop-Partner ist während des gesamten Spiel dicht an der Seite des Spielers und kann mit dem Klick auf einer der Pad-Buttons entweder offensiv oder defensiv geschaltet werden. Dieser nimmt entweder selbstständig oder auf Befehl Gegenstände auf, kann Hebel oder spezielle Waffen bedienen, und steht einem im Kampf, im Leben und auch im Tod stets zur Seite. Auch der regelmäßige Tausch von Gegenständen, die gegenseitige Heilung oder Errettung bei Gefahr sind dabei ebenfalls möglich. Und natürlich kommt auch der Partner mal in Schwierigkeiten. Und wenn es richtig eng wird, signalisiert dies das immerzu gut positionierte Interface – mit „Hilfe“ oder „Stirbt“; in beiden Fällen sollte man als Spieler schleunigst zum wie auch immer gearteten Partner eilen, um diesen aus der misslichen Lage befreien, denn wenn der Partner stirbt, gilt die Mission als gescheitert…. 

Ein kleiner Tipp am Rande: Ein umgehendes Danke -… Ã¡ la „Thanks, Partner“ (mit der Kreis- oder B-Taste) – nach erhaltener Hilfestellung, verschafft möglicher- weise… besondere Verdienste!… 

Resident Evil 5: Gold Edition [Screen] Resident Evil 5: Gold Edition [Screen]

Träume werden wahr
Allem voran ist es die Zusatzepisode „In Alpträumen verloren“, die den Kaufreiz für unentschlossene, eingefleischte „Resident Evil 1-3“-Jünger deutlich erhöhen dürfte. Nicht nur, dass Capcom als ‚EasterEgg‘ die fixe Kameraperspektive des Urspiels beipackt und dabei ‚Jill‘ und ‚Chris‘ erneut zusammen in den Einsatz schickt; der Spieler findet sich zudem inmitten des scheinbar verlassenen Spencer-Herrenhauses wieder, in dem der erste, größere Part der Episode ausschließlich mit kleinen Rätseln, Schaltern, Türen, Wappen und einer trügerischen Stille, anstatt mit Gegnern… in Hülle und Fülle bestückt ist. Ein vergnügliches und altbekanntes Prinzip, das von der ersten bis zur letzten Minute echtes Resi-Feeling aufkommen lässt und vollends überzeugt. Der zweite Part folgt dann allerdings in „Resident Evil 5″-Manier und sorgt dabei für ordentlich Action…. 

„In Alpträumen verloren“ ist – für uns – das Herzstück der „Gold Edition“ und wirklich etwas Besonderes, und lässt nebst nostalgischem Feeling auch den Gruselfaktor auf ein spürbares Maß ansteigen. Letztlich gibt diese Episode sogar ein bisschen Hoffnung auf „Fortsetzung“, bzw. eine Rückbesinnung Capcoms zu den Wurzeln dieses bedrückenden, angsteinflößende Spielprinzips des Survival-Horrors – mit all seinen kleinen Rätseln und dem Suchen und Finden von Hinweisen -, das vor knapp 15 Jahren eine felsenfeste Hardcore-Anhängerschaft bildete, die sich durch das Re-Design [seit Teil 4] nun allerdings in zwei Lager teilt…. 

Umbrella Corporation, Los Illuminados, TriCell.
Doch die knapp einstündige Episode „In Alpträumen verloren“, ist nebst einer weiteren Zusatzepisode – „Eine verzweifelte Flucht“ -…  nicht der einzige Bonus, der die zum Platinum-Preis reduzierte „Gold-Edition“ bringt. Weitere Kostüme, detaillierte Figuren [zur näheren Betrachtung] und der umfangreiche Söldner- und Versus-Mode sind ebenfalls enthalten, und sorgen für wiederkehrende Spielmotivation und viele kurzweilige Extras, die für ordentlichen Spielspaß sorgen. Und das ohnehin enthaltene Archiv an Filmsequenzen, Akten über die Charaktere und die Geschichte von Resident Evil, sowie spezielle Bildschirmfilter, andere spielbare, altbekannte Charaktere, und weitere Beigaben, runden das umfangreiche Bonuspaket vollwertig ab…. 

… 

Das Fazit: Genre-Wechsel vollzogen. Es bleibt: Ein hitverdächtiger Shooter!
Frei nach dem Motto: „Schatz,“¦ gib mir mal bitte die Fernbedienung. Ich wechsle mal kurz das“¦ Genre!“ , erfuhr das beliebte Franchise mit „Resident Evil 4″ ein konsequent umgesetztes actionreiches, Shooter-orientiertes Spielprinzip, das auch in Teil 5 vorherrschend ist. Doch außer dem offensichtlichen Verlust des gruselig-bedrückenden, unheimlichen Feelings der ersten Teile, und der Aussparung von Rätsel- und Sammeleinlagen, gibt es in „Resident Evil 5 – Gold Edtion“ nichts zu betrauern; denn das Spiel hat einfach fast alles, was ein qualitativ hochwertiger Shooter heutzutage braucht; Eine bombastische, lebendige Grafik, eine fesselnde Storyline, glaubhafte Charaktere und eine außergewöhnliche Atmosphäre, die den Spieler vollends vereinnahmt. Und die Zusatzepisode „In Alpträumen verloren“, die in der „Gold Edition“ mit enthalten ist, schenkt dem Spieler sogar ein Stück ‚Altvertrautes‘ und entlässt ihn, samt fixer Kameraperspektive, erneut in das Spencer-Anwesen, dessen Ausflug sich als wirklich reißerisch bezeichnen lässt. Freunde des modernen Videospielhorror’s und verschriebene Shooter-Fans werden um „Resident Evil 5: Gold Edition“ nicht drumrumkommen! Und dank der Zusatzinhalte bietet das Spiel nun endlich auch eingefleischten „Resi 1-3“-Fans einen merklichen höheren Spiel- und Kaufanreiz – und damit auch den Zugang zum packenden Hauptspiel. Ein echter Top-Titel des Genres!… 

Epochal präsentierte Shooter-Action mit einem Restfünkchen Survival Horror!


Die Bilder und das „Resident Evil 5: Gold Edition“-Logo sind Eigentum von Capcom. „Resident Evil 5: Gold Edition“ wurde uns freundlicher Weise von Capcom zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen unter: www.residentevil.com

Alle Angaben ohne Gewähr.
Verfasst von Oliver Erichsen | 13. Mai 2010